Was Hunde lehren III

27.1 – 31.1.2019

Nächstes Kapitel. Wir sind an den Plage Blanche weitergezogen. Dort treffen wir auf drei deutsche Wagen, alte Mercedes Busse, Selbstausbauten, nette Leute. Dabei sind zwei Hunde. Beide laufen den Tag über weitgehend frei. Wie immer, wenn wir so etwas sehen, sind wir erstaunt und ein wenig neidisch und fragen uns, wie Herr und Hund das hinbekommen haben.
Nach einer stürmischen Nacht am Strand beschliessen wir, mit den anderen einen windstilleren Ort zu suchen und finden ihn wenige hundert Meter entfernt. Wir stehen nun in einem weitläufigen übersichtlichen Wadi unweit des Strandes und freuen uns über die Wärme, den nachlassenden Wind und die unerwartete Gesellschaft.

Wir kommen über die Hunde ins Gespräch und einer der Reisenden,Stefan, erzählt, dass auch er und sein Hund Emmi eine Weile gebraucht haben, bis Emmi frei laufen konnte, aber trotzdem nicht stundenlang verschwunden war. Er sagt, dass sein Hund wenn er die Chance hat das Terrain zu erkunden ohne zehnmal gerufen zu werden, eigentlich bald keine Notwendigkeit mehr hat, sich weit vom Wagen zu entfernen und dann meistens unterm Auto schläft.

Interessante Theorie.


Bisher haben wir wenn die Hunde laufen durften sehr oft und schnell nach ihnen gerufen. Ohne nennenswerten Erfolg, wie beschrieben. Was, wenn wir sie nun einfach laufen liessen, ohne sie zu rufen? Bereits in den Tagen zuvor waren die Hunde zwar noch wild und weit losgelaufen, wenn wir die Leinen gelöst hatten, aber meist schon nach 5 Minuten beide in rasendem Galopp wieder zurückgekommen. Danach haben sie nur noch kürzere Strecken zurück gelegt.

Also haben wir beide tief Luft geholt, Leinen los und Hunde weg. Warten.

10 Minuten später sind beide wieder da. Gleicher Versuchsaufbau am Abend. 10 Minuten warten. Beide Hunde da. Am nächsten Morgen wieder. 10 Minuten. Beide Hunde da.

Seit heute morgen tragen sie keine Leinen. Sie waren eine Weile unterwegs. Man sah sie nicht mehr. Tauchten wieder auf. Liefen wieder los. Tauchten wieder auf. Wasserpause. Seit einer Stunde liegen jetzt beide leinenlos am Wagen. Heute haben wir noch kein einziges Mal nach ihnen gerufen. Robert hat nicht geschimpft. Eva hat nicht gebettelt.

Was Hunde lehren? Kontrolle ist gut. Vertrauen ist besser.

2 Kommentare zu „Was Hunde lehren III

  1. Ja, so ist das. Und jedes Kommando, jedes mal wenn der Hund gerufen wird verschleißt das Signal mehr wenn es keine Beachtung findet.

    Ruf: Komm. wenn er sowieso schon in deine Richtung läuft und belohnen ihn wenn er ankommt als wäre es deine Idee gewesen.

    Ruf den Hund nur, wenn er sowieso schon nach dir schaut.

    Erst ist da das erwünschte Verhalten, dann das Kommando bis es fest miteinander verknüpft ist..dann kann man das Umdrehen.

    Ihr hab sehr Autunome Hunde die bestimmt auch sehr gut auf sich aufpassen. Das kann euch Sicherheit geben.

    Autonome Hunde haben aber trotzdem einen starken Bezug zum Rudel. Das seid ihr. Aber Erziehung ist nur reziprok proportional zum Autonomen Potential möglich. Also nicht abfrusten, die sind eben so…

    Autonome Hunde lernen nur über Spiel und Spass…

    Lieben Gruß von einem der gerade eine der autonomsten Hunderassen der Welt, einen Patou, einem Pyrenäenhund versucht den Grundgehorsam beizubringen, den er eigentlich in den ersten Monaten hätte lernen sollen… Selber sehr angestrengt…

    Udo

    Gefällt 1 Person

  2. Ach Udo, schön, dassDu schreibst. Ja, die Theorie war lange klar, allein, diePraxis wollte nicht so recht nachziehen. Am Ende wird wohl alles gut….Viel Erfolg mit deinem neuen Freund! Schick mal ein Foto!

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