Türkei – Sultaniye I

Als wir in Sultaniye ankommen ist das Wetter mittelprächtig. Es hat einige Tage lang geregnet und gestürmt und wir freuen uns auf ein Bad in der warmen Therme. Wir haben den halben Köycegiz See umfahren um zu der alten Therme zu kommen. Schon von weitem sehen wir von der Bergstraße am See kommend, das runde Kuppeldach des Bades direkt asm Wasser.

Beim Ankommen sehen wir, ungewöhnlich für die prüde Türkei, ein Paar in Unterwäsche und Regenmänteln durch das überknietiefe Wasser heranstapfen und sich direkt an der aufgestellten Heckklappe ihres Wagens umziehen. Schnell wird klar warum. Der viele Regen hat das Bad überschwemmt. Wo normalerweise ein kleiner Kai ist, an dem im Sommer Boote anlegen, ragt nun einsam der als Schweller gedachte alte Autoreifen heraus. See und Bad sind eins geworden.
Das ebenerdig in den Boden eingelassene Schwefelwasserbecken ist betretbar, aber um etwa 10 cm überschwemmt. Das Wasser ist glasklar, schimmert blau und prickelt. Der angrenzende Barbereich liegt ebenfalls etwa 10-15 cm unter Wasser. Die zweite Therme unter dem Kuppeldach ist nicht betretbar, sie liegt bereits bei normalem Wetter unterhalb des Seespiegels und ist jetzt überkopfhoch überschwemmt. Der junge Betreiber lässt uns trotzdem aufs Gelände, wir dürfen sogar den Maggi vor der Therme parken und übernachten dort.

Und, was soll ich sagen, damit beschert er uns ein großes Geschenk. Den ganzen Tag kommen Autos herangefahren, aber kaum jemand möchte tatsächlich mit nackten Beinen durch das über 1 Meter tiefe eiskalte Seewasser bis zu dem schwefelwasserbecken stapfen und so sind wir bis auf einen freundlichen türkischen Berliner oder Berliner Türken, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Türken Naturschutz nahe zu bringen, sowohl nachts im Dunklen bei Mondschein, als auch am nächsten Tag über weite Strecken völlig alleine im Bad und genießen das warme Wasser, das unsere Haut ganz weich macht und so schön sprudelt, blicken vom Beckenrand fast ungehindert auf den See und die umgebenden Berge und stellen uns vor, dass da gar kein Becken ist, sondern wir direkt im See schweben. Am nächsten Tag scheint die Sonne und plötzlich ragt aus dem See eine vielschichtige bunte Bergwelt, darüber hinweg ziehen Wolkengemälde und alles zusammen spiegelt sich im Wasser. Die Überschwemmung im Bad hat ein wenig nachgelassen, so dass das Schwefelbad heute milchigtürkisblau ist, kräftig dampft und etwa 5 Grad mehr hat als am Tag zuvor. So toll!

So toll, dass wir uns kaum trennen können und weitere Tage dort verbringen. Morgens und abends baden wir ausgiebig und dazwischen gehen wir wandern und schauen uns das nahe gelegene Kaunos an, wo wir leider nicht über Nacht stehen dürfen.

Dort beeindruckt uns besonders der kleine runde Tempel, in dessen Mitte ein großer ganz besonderer runder Opferstein liegt, durchzogen von feinen Äderchen und von sehr ungewöhnlicher Farbe. Einen ähnlich ungewöhnlichen Stein haben wir zuletzt in der Hethiterstadt Hattusa gesehen und davor in 2001 Odyssee im Weltraum. Schon eigenartig, welche Ausstrahlung und Kraft ein solcher Ort entwickeln kann. Ich frage mich was zuerst da war, die Kraft des Ortes, an dem dann der Tempel mit dem Stein errichtet wurde oder andersherum, strahlt der Ort Kraft aus, weil dort jahrhundertelang Menschen zusammenkamen, um ihrem jeweiligen Göttern zu huldigen? Und wie geht das überhaupt, dass ein Ort Kraft ausstrahlt?

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