Georgien – Zedazeni

Unser Reiseführer erzählt die Geschichte vom Kloster Zedazeni auf dem 1300 Meter hohen Berg Saguramosmta wie immer etwas schnörkelig unter Bezug auf die frühchristliche Geschichte und mit Verweis auf den schönen Ausblick. Wir meinen, der Reiseführer hat einige wesentliche Details unterschlagen. Dies wollen wir hier nachliefern. Das Kloster ist auf der Autobahn gut ausgeschildert, allerdings an der falschen Stelle, so dass man sich, wenn man möchte, auf den drei Hauptautobahnen des Landes, die hier zusammentreffen wunderbar mehrere Stunden im Kreis drehen kann. Hat man den richtigen Abzweig gefunden, geht es etwa 6 Kilometer auf einer Schlammstraße bergauf. Bei den beschriebenen Witterungsverhältnissen bedeutet das: Schneematsch, Pfützen und weiter oben am Berg überfrierende Eisbretter, umso mehr, umso schattiger der Platz und umso fortgeschrittener die Uhrzeit. Zum Glück führt der Weg auf der schattenseite des Berges hinauf und wir sind spät dran. In der Hoffnung auf einen gepflasterten ebenen Parkplatz vor dem Kloster, den wir für diese Nacht besetzen können, krabbelt der Maggi, die schlüpfrigen Stellen austänzelnd und hier und da leicht schlingernd im Matsch den zu schmalen Weg empor. Was denkt wohl der uns entgegen kommende allradgetriebene Lada Niva fahrer, der fragend den Kopf schüttelt, als er uns in Richtung Kloster rattern sieht?

Ich beginne immer dann zu zittern, wenn es rechts neben mir steil herabgeht und der Maggi ins Schlingern geraten könnte oder aber die Chance auf einen Platz zum Drehen dahin schwindet und es dunkel wird. Dieser Weg verspricht alles auf einmal. Fast oben angelangt finden wir endlich eine kleine Tasche, an der ein Drehen des LKWs möglich wäre, Robert erbarmt sich meiner und lässt sich auf einen Erkundungsgang ein, eine etwa 12% Steigung mit Eisfeldern hinauf.


Oben angelangt Irritation. Aneinandergereiht sehen wir: den wahrscheinlich Hauptsendemast von Tbilissi sowohl für Mobilfunk, TV als auch Radio. Einen riesigen Betonklotz, der vermutlich das überdimensionierte Stahlfachwerkkreuz trägt. Daran in russischer Hängung verschiedene Reliquienbilder und orthodoxe Kreuze. Wir fragen uns, ob der Autor unseres Reiseführers betrunken war, als er die Geschichte des Mittelalterlichen Klosters schrieb.
An den Betonklotz geschmiegt mehrere aus Holz- und Kosumartikelverpackungsresten zusammengeschusterte ärmliche Hüttchen, garniert mit weiteren Quietschbunten Reliquienbildern. Mittig eine steile Betonauffahrt, die von den fahrenden Überresten eines ohrenbetörend röhrenden Lada Niva ohne Türen und Heckklappe als Rampe genutzt wird. Der Fahrer des MadMaxMobils ein alter Mann mit schütterem aber langem zotteligen weißgrauem Haar und Bart, der wiederholt von der Rampe herunterschießt, um eine Nonne abzuholen, die etwa hundert Meter unterhalb mit Plastikkanistern am Brunnen steht und Wasser holt.


Daneben dann ein sehr geplfegter durch Poller abgetrennter gepflasterter Fußweg zu einem kleinen Gittertor, hinter dem sich das eigentliche Kloster befindet. Ein sehr aufgeräumter grüner Innenhof umrahmt die niedliche Klosterkirche mit ihrem kleinen runden Glockenturm. Die Mönche haben der Kirche eine Glastür verpasst und im schlichten Basilikaähnlichen Innenraum hat ein großer Gasofen kuschelige 20 Grad gezaubert. Daneben liegt idyllisch das sehr gut in Schuss gehaltene mehrstöckiges Kloster mit den Wohn und Speiseräumen der Mönche. Davor tut sich ein sensationeller Blick auf Tbilissi und die dahinter liegenden Berge auf, den wir für einige Minuten genießen.

So dicht beeinander haben wir zwei Welten selten liegeh sehen. Hier die Idylle einer gepflegten geschichjtsträchtigen Klosteranlage, wenige Meter weiter apokalyptische Verhältnisse, ausgeschmückt mit religiösen Symbolen. Fast kommt uns das vor, als würden die Bewohner des Betonklosters ein zynisches Spottlied auf die reichen Mönche singen, als würden sie das Klsoter berlagern, um die Bewohner daran zu mahnen, dass jeder seinen Nächsten so behandeln soll wie sich selber. Und das kurz vor St Martin, der seinen Mantel mit dem Frierenden teilte und im ersten Schnee.

Ich spinne die Geschichte später weiter. Vielleicht ist der alte Mann ein Mönch gewesen, der sein Zölibat gebrochen hat und verbannt wurde und nun mahnend die Mönche daran erinnert, dass nur der den ersten Stein werfen darf, der ohne Sünde ist. Und da niemand ohne Sünde ist, lebt der Mönch nun eben in seinem Betonkloster……

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