Türkei – Persembe

Auf einer Halbinsel bei Ordu hatten wir auf dem Hinweg einen Strand entdeckt, dem wir nun auf dem Rückweg noch einmal einen Besuch abstatten möchten. Ich hatte mir vorgenommen, in der Türkei mehr zu fahren und so fahre ich den LKW auf die Halbinsel und hüte ihn auch während Robert endlich endlich wieder heiß ersehnten Balik (Fisch) besorgt.
Bereits ohne dass eine Frau den Maggi fährt ist er auffällig. Oft bleiben die Menschen in den Dörfern am Straßenrand stehen und schauen ihm staunend hinterher. Aber ein solcher LKW mit einer Frau am Steuer, das gibt es eigentlich gar nicht. Und so versammelt sich während Roberts Fischkauf eine Traube Menschen um den Maggi. Ein paar Schuljungs schicken den mutigsten vor, der die Berifahrertür aufreisst und glucksend in gebrochenem Englisch die Fragenkaskade seiner Freunde auf mich abschiesst. Unterbrochen wird er von einem älteren Herrn, der ihn zur Seite schiebt und nun selber beginnt, Fragen zu stellen, vor Allem aber auf Deutsch erklärt, dass er lange in der Nähe von Stuttgart gelebt und gearbeitet hat.

Robert kommt mit mehreren Kilos kleiner Fische zurück und los geht es an den Strand. Kaum angekommen und auf der Suche nach Feuerholz werden wir wieder angesprochen. Die scheint der Stadtstrand der Männer zu sein. Hier trifft man sich, um Bier und Raki zu trinken. Vielleicht weil das zuhause nicht statthaft ist, vielleicht auch nur, um ein wenig private Zeit abseits der Familie miteinander zu verbringen. Die in der Türkei leider allgegenwärtigen Müllberge erzählen jedenfalls von vielen alkoholisierten gemeinsamen Stunden an diesem Strand. Wie die gastfreundlichen Türken so sind, bieten uns zwei Freunde, die ebenfalls mit Bier und Picknik am Strand stehen, erst ihre Axt zum Holzhacken an, dann ein Glas Raki, dann ein Bier, später vom Picknik. Dann fährt einer der beiden nochmals los und kauft eine Familienportion Köfte (nur für uns, die beiden haben schon gegessen) und eingelgtes Gemüse in der Geschenkpackung, sowie weiteren Raki. Wir unterhalten uns mal wieder mit Händen und Füßen, aber irgendwie funktioniert es schon. Bald haben wir verstanden, dass ei8ner der beiden Rettungssanitäter ist, der andere Kapitän zur See. Sie leben in dem Städtchen in dem wir den Fisch gekauft haben. Sie sind beste Freunde und kommen oft hierher. Die Frau des einen Mannes ist im letzten JAhr gestorben und er ist immer noch sehr traurig. So traurig, dass er wiederholt in Tränen ausbricht, nachdem er auf das Foto seiner Frau auf seinem Handy geschaut hat. Robert und ich müssen beide mitweinen.


Später laden uns die beiden noch ein, mit ihnen nach Ordu zu fahren, die Provinzhauptstadt im Osten der Halbinsel. Wir willigen ein und schon bald erleben wir die etwas unkoordinierte türkische Fahrweise vom Rücksitz von Ahmets Auto aus. Rund 30 Kilometer rast er Sturzbetrunken mit uns durchs Dunkle, unterbrochen von einem kurzen Besuch bei den 3 erwachsenen Kindern und der Schwiegermama des Kapitäns. Dann fahren wir mit der Seilbahn von Ordu nach Bestepe und nicht nur unser Kapitän, der Höhenangst hat,  hält vor Spannung den Atem an in der ganzverglasten Kabine. Der Blick auf die erleuchtete Stadt ist atemberaubend. Die Seilbahn legt binnen kürzester Zeit knapp 1000 Höhenmeter zurück, teilweise schwebt sie direkt zwischen den Häusern, später dann weit über den Wipfeln der Bäume, direkt neben unserer NAse zieht das Minarett der Moschee an uns vorbei. Oben angekommen nehmen wir zwei Cay in einem feinen aber leeren Restaurant und dann geht es schon wieder zurück. Mit weiteren Bieren bewaffnet machen wir noch einmal Halt kurz vor unserer Bucht auf einem unansehnlichen Plateau, wo weitere Männer mit Bier und Whiskyflaschen neben den aufgeklappten Kofferraumdeckeln ihrer Autos stehen und ab und an eine MAndarine schälen.

Am nächsten Morgen warten wir leider lange vergeblich auf unsere neuen Freunde, mit denen wir Frühstücken gehen wollten und fragen uns, ob all das Gerede von Arkadas (Freunde!) vielleicht doch eher dem Alkohol zu verdanken war. Ein wenig enttäuscht waren wir schon, denn wir haben unsere Einladung nach Berlin auf jeden Fall ernst gemeint, wir mochten die beiden.


Nun denn, statt eines türkischen Frühstücks nimmt Robert die Fische aus, die wir dann abends in Mehl wenden und braten und die zum frischtsen und leckersten gehören, was wir je an Fisch gegessen haben. Danach machen wir einen schönen langen Strandspaziergang. Wir sind so richtig faul und tun gar nichts.

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