Türkei – Amasya

20 km vor Amasya gebe ich auf und ärgere mich die nächsten 24 Stunden darüber. Eigentlich wollte ich den Maggi von der Türkei bis Deutschland fast durchgehend fahren. Nun ist der dritte Tag in der Türkei angebrochen und 20 km vor Amasya kann ich mich einfach nicht mehr auf die Straße konzentrieren. Zu fremd ist es noch immer, mit dem großen schweren LKW umzugehen, zu ungeübt das Schalten mit dem unsynchronisierten Getriebe, zu untrainiert das Bremsen mit der Motorbremse. Es nutzt alles nichts, Robert muss übernehmen. Und meine schlechte Laune ertragen. Obwohl schon bei der Einfahrt nach Amasya klar ist, dass es sich tatsächlich um eine aussergewöhnlich hübsche und lebendige Stadt handelt, sehe ich an diesem Abend nichts mehr davon und trotte mies gelaunt hinter Robert her durch die Gassen.


Am nächsten Morgen sieht die Welt schon anders aus. Und auch die Altstadt sieht ohne die kitschige Neonbeleuchtung viel hübscher aus als zuvor (obwohl mein lieber Architektenmann natürlich findet, dass alles zu glatt und unsensibel hergerichtet wurde und dadurch leblos wirkt). Das Städtchen schmiegt sich an den Fluß Yesilirmak, an dessen einen Ufer eine Baumbesatndene Promenade den Blick auf die im traditionbellen Holzbaustil gehaltene Altstadthäuser, die man Konaks nennt, am anderen Ufer freigibt. Hinter diesen erhebt sich ein großer kegelförmiger Berg, auf dessen Gipfel die Zitadelle thront.

In den Fels gehauen sind die riesigen Grabmäler der pontischen Könige aus dem 3. Jahrhundert vor Christus, zu
denen man hinaufklettern kann und von dort einen einmaligen Ausblick auf den modernen quirligen Innenstadtbereich von Amasya mit seiner wunderschönen zentral gelegenen Moschee hat.


Als wir Mittags einige Einkäufe zum Maggi tragen, um dann nochmals loszuziehen in die Stadt, werden wir von einem Herrn um die 60 angesprochen. Er lädt uns zu einem Cay ein und wir nehmen dankend an. Den Cay soll es direkt neben dem Stellplatz des Maggi an den Eisenbahngleisen in einem kleinen Holzverschlag geben. Wir halten den Mann eine Zeit lang für den Bahnticketverkäufer, aber irgendwann wird uns klar, dass es sich um den Stadtteilobürgermeister handelt. Im vorderen Bereich des Büros steht sein Schreibtisch, auf dem ein Messingschild mit seinem eingravierten NAmen steht. Hinter einem Raumteiler aus Büroschränken, die mit quietschbunten Platsikblumen verziert sind, befindet sich eine kleine Teeküche nebst Somowar, der nun in Betrieb genommen wird. Es dauert nicht lange und die Frau des Bürgermeisters gesellt sich hinzu, begleitet von ihrer 8jährigen Enkelin, die im Folgenden durch ihre wenigen Schulenglischkenntnisse und ihre Neugier, die fremden Menschen zu verstehen, die Koversation am Laufen hält. Die beiden Alten wissen sich nicht zu helfen ob der beiden Fremdsprachigen Gäste, die sie so liebenswürdig bewirten. Es scheinbt einfach nicht in ihre Köpfe zu gehen, dass wir auch dann kein Türkisch verstehen, wenn man laut und langsam mit uns spricht.

Am Abend besuchen wir das Hamam der Stadt, das erste und einzige Hamam, in dem Männer und Frauen gleichzeitig und im selben Raum Dampfbaden dürfen. Ausser uns scheint das keine Frau zu wissen, denn ich werde an diesem Abend die einzige Frau im Hamam bleiben und fühle mich dann irgendwann auch nicht mehr richtig wohl unter den ganzen Männern, die sichtlich auch keine Frauen an diesem Ort gewohnt sind. Aber bis mir unwohl wird vergehen doch 2 Stunden, wir baden im Dampf, übergiessen uns ein ums andere Mal mit kaltem Wasser aus den am Wasserhahn der MArmorbewcken gefüllten überall bereitstehenden Blechnäpfen, lassen uns bei der Kese die Hautschueppn abrubbeln und werden massiert, streicheln beim Ruhen die kleine schwarze Katze des Bademeisters und verbuchen den Besuch beide als sehr angenehm
und wiederholenswert.

Am letzten Tag in Amasya laufen wir durch die HAndwerkergassen (in den kleinen Städten gibt es wie bei uns im Mittelalter und auch heute noch oft in Asien „Themengassen“, Strassenzüge in denen nur Werkzeuge verkauft werden oder nur Obst und Gemüse oder nur Kleidung etc.) und kaufen einen handgeschmiedeten Axtkopf, zu dem der passende Holzgriff in Echtzeit gefertigt wird sowie vom Gassenschmied eine Art Sichelgerät, mit dem man hoch hängende Äste eines Baumes abschlagen kann, zum Beispiel. Beides tragen wir stolz durch die Stadt und weil wir gerade dabei sind, kaufen wir auch noch eine anatolische Pluderhose für mich und Schaftswollunterwäsche für uns beide. Falls es doch noch kalt werden sollte.


Das BAuleiterauge entdeckt übrigens überall die Pfuschecken, wie zum Beispiel Schilder, die vor Hochspannung warnen und zerfledderte offenliegende Kabel daneben, oder Tore, durch die keiner mehr gehen soll und deren Tore sicherheitshalber zugeschweißt wurden – dicke alte
Schrauben sind mit je zwei Schweißnähtenj an den Toren befestigt worden und damit das TTor auch wirklich nicht mehr geöffnet werden kann, hat jemand von hinten schwere Eisenstangen an das Tor gerückt und diese auch gleich mit festgeschweißt. Na, wenn das nicht hält….

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