Lockdown in Marokko I – Vorspiel in der West-Sahara

12. Februar – 3. März 2020

Heute ist der 16. Mai. Wir stehen seit 10 Wochen an der Quelle von Fask und kein Ende ist in Sicht.

Dass unsere letzten Reisemonate in Marokko so verlaufen hätten wir nicht gedacht. Ob das Ende des Lockdowns in Marokko erreicht ist, wissen wir frühestens am 20. Mai. So lang gilt die aktuelle Weisung, Reisesperre, Ausgangssperre, Grenze nach Europa dicht.

Die Nachrichtenportale hier berichten jeden Tag anderes, niemand weiß etwas genaues, alle versuchen, aus den Äußerungen der Regierung herauszulesen, was wohl entschieden werden wird. Wenn es wie im April läuft, wird niemand Genaueres wissen, bis der König bzw. die Regierung sich am 20. Mai zu Wort melden und ihre Entscheidung verkünden. Dann wissen auch wir, wie unsere nächsten Wochen aussehen: Marokko oder Deutschland. Wir sind optimistisch und haben für den 1. Juni ein Fährticket nach Savona in Italien gekauft. Regulär soll die Grenze am 31.5.20 geöffnet werden und Flug- und Fährverkehr ihre Tätigkeit wieder aufnehmen. Inshallah. Oder wie wir sagen schaumermal.

Eigenartiges Gefühl, so wenig planen zu können und nicht zu wissen was Morgen sein wird. Unser Visum ist jedenfalls zum 12. Mai ausgelaufen. Die Behörden haben geschlossen, die Visa behalten aber so lange Gültigkeit, bis der Lockdown aufgehoben wurde und wir ausreisen können.

In fünf Artikeln möchten wir Euch erzählen wie unsere Monate im Lockdown in Marokko bis heute verlaufen sind.

Zunächst lief alles planmäßig. Am 13. Februar sind wir wieder in Marokko eingereist. Wir haben uns Zeit gelassen und mehrere einsame traumhafte Stellplätze am Meer gefunden und genossen. Nach der langen Zeit in der Wüste eine angenehme Abwechslung.

Dann sind wir nach Dakhla gefahren, das einfach traumhaft liegt auf einer langen Landzunge direkt am Meer. Ein stetiger Wind meist aus derselben Richtung macht die Stadt am Meer zu einem beliebten Reiseziel für Paraglider und so sind in den letzten Jahren elegante naturnahe Hotelanlagen mit angeschlossener Paragliding Schule wie die Pilze aus dem Boden geschossen.

Dakhla ist die erste Stadt seit Ewigkeiten, die entfernt an Europa erinnert. Asphaltstraßen. Bürgersteige. Cafés mit hohen Fenstern, in denen auch Frauen in westlicher Kleidung sitzen, wenigstens manchmal. Parks! Fußgängerüberwege! Mülltonnen! Männer und Frauen zwanglos zusammen lachend auf der Straße. Frisches Gemüse und Obst auf fahrenden Händlerständen im Überfluss. Neue PKWs. Werkstätten mit Rolltoren und elektrischen Maschinen darin, die gepflegt aussehen, funktionierendes Internet.

Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz finden wir eher zufällig die Weiße Düne, die in eine Art Lagune übergeht, gelegen zwischen Nationalstraße und der Landzunge von Dakhla.

Wir fahren eine ganze Weile durch sandige Dünenlandschaft bis wir plötzlich auf der weitläufigen Lagune stehen, eine ebene Sandfläche mit fließendem Übergang ins Meer. Das Meer ist nicht sehr tief und sehr ruhig. Ungewöhnlich für West Sahara.

Ganz am Ende der Lagune liegt eine kleine Düne und davor übt tagsüber meist eine Gruppe Paraglidingschüler. So viel Trendsportler haben wir lange nicht gesehen.

Wir wagen uns auf die Lagunenfläche und stellen den Igl windgeschützt durch die Ausläufer der hohen Dünen über die wir kamen mit Blick nach Süden über die Ebene ab. Zuerst wollten wir bei der kleinen weißen Düne hinter der die Paraglider üben bleiben, aber der Wind reißt uns die Türen aus der Hand.

Ein letzter Fischer hält die Stellung natürlich inklusive Landrover und riesige Vogelschwärme leben in der Lagune.

Thio geht auf Jagd, aber erwischt nie einen der Vögel. Zum Glück, was sollten wir mit dem toten Vogel auch anfangen? Abends fahren die Paraglider nach Hause und wir sind in Sichtweite der aufstrebenden Stadt völlig alleine.

Morgens beobachten wir Vögel und haben Glück, dass ein Schwarm Flamingos hier Halt gemacht hat.

Unbeschreiblich die Weite dieser Landschaft. Seht selbst.

Einmal Panorama

Wir haben etwas weiter nördlich mitten im Sandsturm Georg aus dem letzten Jahr wiedergetroffen und sind mit ihm und seinem Magirus ins Inland gefahren, einer Piste von Stephan und Susan, den beiden Schweizern die wir in Atar getroffen hatten, zum Wasserfall Khaoui Naam folgend.

Obwohl der kaum Wasser führte waren das ein paar fantastische Tage. Solche Ruhe haben wir selbst in Mauretanien nur tief in der Wüste erlebt. In fünf Tagen kam ein einziges Auto vorbei.

Jeden Tag sind wir mit Thio in eine andere Richtung zu kleinen Wanderungen aufgebrochen und haben es sehr genossen, endlich wieder Untergrund unter den Füßen zu haben, der es möglich macht, mehr als 2 Kilometer zu Fuß zurück zu legen.

Dank des sandigen aber festen Bodens laufen wir querfeldein in die Richtung, in die es uns gerade zieht. Der Nase nach.

 

Morgens haben wir Besuch von einer Dromedardame mit Kind, die unseren Kompost plündern.

Seht Ihr Robert?

Von Khaoui Naam ging es an den Plage Blanche, wo wir wieder einige Tage bei netter Gesellschaft verbracht haben und schließlich nach Fask, um Stefan, den wir hier letztes Jahr kennengelernt haben, wiederzutreffen.

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