Türkei – Hattusa

Zwischen Sungurlu und Yerköy östlich von Ankara liegt auf über 1100 Meter über dem Meer die alte Kultstadt Hattusa, die Stadt der 1000 Götter, kultisches Zentrum der Hethither. Angelegt im 2. Jhd nach Christus, Blütezeit im 14. Jahrhundert. Am Tag vor dem Besuch haben wir mit Alacahüyük bereits eine noch ältere Stadt besucht, die von den Hattiern erbaut wurden. Davon sind allerdings neben den Überresten eines Stadttores mit schönen Reliefs kaum mehr als die Grundmauern erhalten. Um den Besuch trotzdem spannend zu gestalten haben die Archäologen die gefundenen Gräber mit Nachbildungen der Grabbeigaben bestückt. So fühlen wir uns wenigstens ein bisschen wie Indiana Jones, während wir das Gelände erkunden.

Gerade hier im Zentrum Anatoliens, aber auch später immer wieder, fliegen uns die Namen der alten Völker, die einst dieses Land besiedelt haben, nur so um die Ohren und bald können wir die einen von den anderen nicht mehr unterscheiden. Schuld ist daran auch unser Türkeireiseführer, der zwar kurze Informationstexte zu den Grabungsstätten und Völkern liefert, diese aber kaum miteinander in Beziehung setzt. So wimmelt es in unserer Erinnerung von Lykiern, Hatthiern, Kilikiern, Kaschkäern, Churittern und vielen weiteren Stämmen, deren Herkunft und Verbleib uns nicht klar ist. Robert witzelt ab und zu, dass wir wenn wir zurück in Deutschland sind, ein weiteres Jahr benötigen werden, um all die fehlenden Informationen, die aufgeworfenen Fragen und festgestellten Wissenslücken nachzuarbeiten und fantasiert von einem schönen Kaminfeuer, Rotwein und Schafsfellen, auf denen wir liegen können und die riesigen Bücherstapel nach und nach abarbeiten.


Zurück zu den Hethitern. Hattusa besteht aus einer weltlichen Unterstadt und einer religiösen Oberstadt, umgeben von einer Stadtmauer mit vier Stadttoren, die teils erhalten geblieben sind. All das liegt auf einem Areal von ca. 5 auf 5 Kilometern, so dass wir alles mit dem Maggi abfahren. Ausser uns ist um diese JAhreszeit einmal mehr niemand unterwegs, so dass wir das Gelände für uns haben. Im Sommer ist es bestimmt prächtig, sich diese schöne Gegend zu erwandern und tatsächlich verläuft hier auch einer der wenigen gekennzeichneten Wanderwege der Türkei. Zu dieser JAhreszeit aber und besonders an diesem Tag, macht es keinen Spaß, so weit zu laufen. Es ist diesig und mit knapp unter 0 Grad bitter kalt. Ein eisiger Wind weht und so fahren wir lieber. Für mich ist das aufregend, denn die Straße ist kaum breiter als der Maggi und diese windet sich ganz schön auf und ab und rechts und links. Das ist prima, denn so kann ich meine ersten Fahrten in schwierigem Gelände quasi unter geschützten Bedingungen absolvieren.


In der Unterstadt gibt es einen großen grünen quadratisch gehauenen Stein, über dessen Nutzung noch nichts bekannt ist. Das wundert uns, denn wir begreifen schnell, dass das der Stein ist, mit dem die nächste Stufe der Evolution in Gang gesetzt wird. Damit wir darauf nicht mehr länger warten müssen, drücke ich einfach auf den Knopf. Mal sehen, was passieren wird. Solltet Ihr also in nächster Zeit Morgens aufwachen und das RaumZeitKontinuum hat sich aufgelöst, dann denkt an uns!


In der Oberstadt fasziniert uns besonders das Tor mit den beiden Sphingen (Sphinxen, Sphinx‘?). Diese eigenartigen Wesen können dem Bildhauer eigentlich nur unter Drogenein fluss erschienen sein. Von hinten wie Ziegenböcke, von vorne wie Löwen, von der Seite wie fliegende Pferde und im Profil wie ein feister Buddha. Unerklärlich ist uns auch, wie diese Wesen nach Zentralanatolien geraten sind. Wir hatten sie als ägyptisch abgespeichert. Wieder etwas zum Nachlesen. Ebenfalls faszinierend ist der Blick auf die freigelegten Tempel der Oberstadt, deren Lage und Vielzahl die einstige Größe erahnen lassen.


Auf halbem Weg spricht uns ein Mann an, der sich als Bürgermeister des benachbarten Dörfchens zu erkennen gibt und möchte, dass wir nach dem Besuch in die Kooperative seiner Stadt kommen. Auf Deutsch erklärt er uns, dass sich Kurden und Türken zusammengetan haben, um diese Kooperative zu betreiben. Da wir wissen, dass gerade in den letzten Tagen kurdische Gebiete vom türkischen Militär angegriffen wurden, finden wir es interessant, dass Kurden und Türken hier scheinbar gut miteinander auskommen. Vielleicht gibt es da etwas zu erfahren. Später stellt sich heraus, dass es sich bei der Kooperative um einen schlichten Teppichhandel mit überhöhten Preisen handelt. Schade.


Bereits beim Verlassen des Geländes halten wir noch einmal an einem eigenartigen Felsen, in den zueinander versetzt rechteckige Aussparungen gehauen wurden. Anders als bei den anderen Ausgrabungen verweist hier kein Schild auf den Grund für diese Bearbeitung oder die vermutete Nutzung. Vielleicht handelt es sich um ein Bewässerungssystem? Oder der Stein ist hohl und jemand hat sich ein Hamam hineingegraben?  Wir finden es nicht heraus.

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