Griechenland – Peleponnes, Finikounda

Eines Morgens, wir stehen Mitte Februar an einem verlassenen Strand, links 5 Kilometer bis zum nächsten Dorf, rechts 5 Kilometer bis zum nächsten Dorf, wachen wir davon auf, dass es draußen fienzt. Ein Blick durchs Fenster verschafft Klarheit. Drei winzige Hundewelpen liegen dort im Sand, direkt vor dem Maggi-Hinterrad. Und fienzen. Draußen ist es um die 5 Grad kalt, die Tiere liegen zusammengekuschelt und trotzdem zittern sie.

So schnell wie an diesem Tag war Robert noch selten auf den Beinen und aus dem Maggi herausgehuscht. Mit einer Schüssel Milchwasser bewaffnet betrachtet er, was uns der viel zu schmale Mamahund da vor den LKW gelegt hat. Sofort ist sein Hundeherz geschmolzen. Und die Tiere nehmen die Milch gerne entgegen. Ebenso wie später die Decke, die Streicheleinheiten und den restlichen Reis vom gestrigen Abendessen. Robert kocht mehr Reis und füttert die drei Kleinen und die ausgemergelte Mama, die keine Milch mehr gibt, auch wenn die Welpen sie doch noch so dringend brauchen würden. Gerade so kann sie sich selber am Leben erhalten. Täglich erhält sie vom Nachbarn trockenes Brot, manchmal ein paar Knochen, wie wir im Laufe des Tages von Dimitrios erfahren. Der jeden Tag in seinen grünen Gummistiefeln an den Strand kommt und genau dreimal hin und her läuft, der Hundemama Brot hinwirft, ausreichend wie er findet, dann wieder in seinen schwarzen SUV steigt und verschwindet. Die Mama isst einen Teil des Brotes und trägt den kläglichen Rest zu ihren Welpen, die noch kaum in der Lage sind, das harte Brot zu kauen.

Nach dem ersten Tag bringen wir die Welpen in einer Tasche zurück zum leerstehenden Apartmenthaus der Besitzer, das keine 150 Meter vom Strand entfernt hinter der Straße gelegen ist, die Strand und Apartmenthäuser trennt. Dimitrios hat uns erzählt, dass die Hündin dort hin gehört, aber im Winter niemand vor Ort ist. Über eine Stunde braucht Robert, um die Welpen davon zu überzeugen, dass sie dort im Hof bleiben und ihm nicht über die Straße folgen sollen. Von der Hundemama nichts zu sehen und zu hören.

Am nächsten Tag fienzt es wieder vor der Maggitür. Nun sind es fünf kleine Welpen, die wir finden. Noch denken wir nicht einmal darüber nach, einen mitzunehmen, wie auch? Zwei Katzen warten zuhause auf uns, eine nicht gerade große Stadtwohnung ohne Garten und eine ungewisse Arbeitssituation. Wir werden noch fast 4 Monate mit dem LKW unterwegs sein. Wir haben keine Heizung mehr und es wird noch einige Wochen kalt sein. Die Tiere sind zu jung, um sie von der Mama wegzunehmen. Keine guten Voraussetzungen für die Welpen.

So geht es nun tagein tagaus. Wir sind viel gefahren in den letzten Wochen, es hat noch mehr geregnet. Nun sind wir froh, an diesem Strand für einige Tage bleiben zu können. Es ist quasi Menschenleer hier, jeden Tag scheint die Sonne, auch wenn die Temperatur Nachts bis zum Gefrierpunkt sinkt. Wir bauen den Welpen ein Nest in einem gefundenen alten Autoreifen. Legen es mit Gras aus und breiten Nachts eine Decke darüber. Dankbar kuscheln sich die fünf aneinander. Nur manchmal gibt es Streit und einer wird aus dem Nest gedrängt. Morgens, Mittags und Abends füttert Robert die Tiere mit eingeweichten Hundekeksen, die mitleidige Griechen vorbeigebracht haben. Tags sammeln wir am Strand Treibholz, um Abends ein schönes Feuer zu machen. Anfangs haben die Tiere noch Angst davor, aber am zweiten Abend genießen auch sie die schöne Wärme des Feuers. So gehen 10 Tage ins Land. Unsere Vorräte gehen zur Neige. Zu Fuß haben wir keine Möglichkeit sie aufzufüllen, weit und breit gibt es keine Menschenseele – ausser Dimitrios natürlich, der nach wie vor jeden Tag seinen Strandlauf macht. Den Maggi wollen wir erst wieder bewegen wenn wir weiterfahren.

Und irgendwann in diesen 10 Tagen ist die Entscheidung dann gefallen. Wir nehmen zwei der Tiere mit. Gegen jede Vernunft. Die Anderen müssen wir schweren Herzens zurücklassen. Wir haben den Eindruck, die Mutter versteht, dass wenigstens zwei der fünf leben werden. Wir müssen beide weinen beim losfahren. Aber so ist das Leben.

Nach einiger Überlegung taufen wir sie Ena und Dio, das bedeutet eins und zwei auf Griechisch. Und dann geht die Reise zu Viert weiter.

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