Patra – Brindisi – Sizilien

Sind wir froh, Griechenland irgendwann hinter uns lassen zu können. Im Winter auf dem Peleponnes ist ausser einsamen Stränden und Bergen nichts los. Wir haben einen  verregneten und ungewöhnlich kühlen und hartnäckigen Winter erwischt. Die Stimmung im Winterland ist eigenartig. Die verlassenen Städte mit ihren traurigen leeren Strandbars. Die noch nasse Farbe an den Wänden der schön hergerichteten traditionellen Steinhäuser in den trotzdem fast leer stehenden Bergdörfern, deren einzige Hoffnung Tourismus heißt. Der eigenartige Blick in den Augen der wenigen Menschen, die wir treffen, irgendwo zwischen Gleichgültigkeit und verletztem Stolz.  Die nicht aufhören wollenden Berichte aus Deutschland über das verarmte Griechenland, dem wir trotzdem nie begegnet sind. Das Unverständnis darüber, wie eigentlich diese Griechenland Krise enstanden ist, wer wann welche Fehler gemacht hat. Die nicht enden wollende Diskussion darüber, ob Banken oder Staaten für die Gier einiger Weniger haften sollten. Die Frage, ob das Ende des Kapitalismus wie wir ihn kennen nicht schon lange eingeläutet wurde, wir aber die Augen davor verschlossen haben. Alles das zusammen macht es uns leicht, Griechenland zu verlassen. Wir nehmen wieder eine Fähre, diesmal nach Brindisi und entfliehen diesem eigenartigen Land. Der letzte macht das Licht aus.

Nur knapp 10 Tage bleiben uns, um vom Hacken des italienischen Stiefels an dessen Spitze und von da nach Sizilien und an den Flughafen von Catania zu gelangen, wo wir am 9. März unseren lieben Freund Stefan abholen werden, der uns für einige Tage begleiten wird.

Wir durchqueren Kalabrien, indem wir immer am Rist des Stiefels entlang fahren. Viele der Küstenorte haben ihre beste Zeit in den 60er und 70er Jahren erlebt, als sich die Süditaliener scharenweise als Gastarbeiter verdingt haben und meinen Großeltern die Pizza, das Gelato, den Mozzarella und den Espresso brachten. Das im Ausland verdiente Geld haben sie offenbar in den Bau von Apartments und Pensionen am Meer gesteckt. Jedenfalls sind die Küsten flächendeckend mit solchen zugebaut. Wir hören viel Radio, ein Song kommt immer wieder, ist wohl gerade ein Hit. Stellvertretend für alle italienischen Lieder über Leid und Liebe, mit denen das tägliche Radioprogramm in Italien gestaltt wird, hört doch mal in den hier rein.

Auf halbem Weg entdecken wir auch noch eine warme Quelle, die allerdings aufgrund des vielen Regens der vergangenen Wochen recht kühl ist und eigentlich ist der Zugang im Winter geschlossen. Trotz Sackgassenschild wagen wir es, mit dem dicken Magirus in das enge Tal herunterzufahren, in dem die Therme laut Wegweiser liegen soll. Und siehe da, es handelt sich wirklich um eine Sackgasse. Nur der nette Restaurantbesitzer, der direkt neben der Therme lebt, kann uns jetzt noch retten, indem er uns auf seinen Hof fahren lässt. Beinahe wären wir zum ersten Mal richtig stecken geblieben, beim Versuch 270Grad um die Ecke in seine mit Betonpfeilern flankierte Hofeinfahrt zu kommen. Aber dank Roberts Geschick geht alles noch einmal gut. Nur für uns wird Abends das Restaurant geöffnet und wir genießen frische Gnocchi mit hausgemachter Tomatensosse und frischem Parmesan, Kalbschnitzel in Limonensosse, gebackene Salsicca mit Pepperoni und einen soliden Hauswein. Oh schönes Italien, endlich wieder etwas vernünftiges zu Essen nach den vielen Wochen mit den gefühlt immergleichen SchafskäseOlivenTomatenRühreiern zu schlechtem Wein. Und dann dürfen wir auch noch „schwarz“ durch den Hintereingang in die Therme. Na, wenn das nichts ist. Prima-Tag.

Spannender als die Küste wäre wohl die innere Berglandschaft gewesen, der Aspromonte, die Silaberge, aber mit den jungen Hunden ist ausgiebiges Wandern noch nicht möglich und so verbringen wir die Nächte am Meer und fahren tags mit dem Maggi. Zwei Tage bevor wir von Reggio di Calabria aus nach Sizilien übersetzen übernachten wir am Strand neben einem kleinen Dorf. Abends ist es noch kühl, aber am nächsten Tag scheint die Sonne bei 20 Grad und wir genießen den Tag am Strand und den Blick auf den fernen Ätna, den wir bald schon besuchen werden.

Und am letzten Tag bevor wir nach Sizilien übersetzen besuchen wir doch noch den Aspromonte. Wir verlassen den sommerwarmen Strand und quälen den Maggi eine steile aber wunderschöne Serpentinenroute hoch, in der Hoffnung wenigstens eine kleine Bergwanderung unternehmen zu können. Leider wird diese Hoffnung enttäuscht. Oben liegt noch eine dicke Schneedecke und statt sommerlicher Temperaturen erwartet uns einmal mehr eine Frostnacht. Wunderschön wars trotzdem.

 

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