Türkei – Olympos und Adrasan

Am Mittag des 24. Dezember kommen wir in Olympos vor Zaras Haus an. Erens „Steinmännchen“ haben uns den Weg gewiesen, kleine Häufchen aus Steinen ich sie sonst von Wanderwegen in Spanien oder Frankreich oder auch von den Stränden Asiens kenne. Hier markieren sie die Einfahrt zu einem grünen Pinienbewachsenen Grundstück. Zara ist Deutsche, lebt aber seit einigen Jahren ganzjährig in der Türkei. In diesen Jahren hat sie auch Eren getroffen und nun leben sie beide in Zaras schönem Haus. Sie ist Wanderleiterin und hat lange für ein deutsches Alternativreisenunternehmen gearbeitet. Das hat sie kürzlich erst aufgegeben und plant nun, individuelle Wanderungen für kleinere Gruppen anzubieten, die sie auch in ihrem schönen Steinhaus unterbringen kann. Durch ganz Lykien zieht sich ein markierter Wanderweg, der Lykia Yolu. Dafür ist sie Expertin, sie kennt die Strecke in und auswendig.


Nach dem Vorbild ihres Elternhauses, dass im Norden Anatoliens stand, hat sie sich selber einen Entwurf gebastelt und daraus ist ihr wunderbares Steinhaus entstanden. Gerade eben haben sie eine Schamanenküche in der Garage eingeweiht. Sie gehören zu den wenigen Menschen in der Türkei, die aus freien Stücken in und mit der Natur leben und ein Bewusstsein für die Schönheit und auch den Kreislauf mitbringen, in dem Mensch und Natur sich befinden.  Viele Menschen in der Türkei leben auf dem Land und damit in der Natur, aber die wenigsten haben wirklichen Respekt vor ihr. In der Türkei wird leider jeglicher Müll einfach in die Natur geworfen und nachdem wir die Diskussion darüber, dass sie so die Schönheit ihres Landes zerstören, mehrfach erfolglos geführt haben, sind wir zu dem Schluß gekommen, dass mangelndes Problembewusstsein einerseits, aber auch die wirtschaftliche Not, die den Menschen ganz andere Aufgaben aufgibt, als Mülltrennung, zu dieser Mißachtung der Umwelt führt.

Zara und Eren sind da ganz anders, sie leben mit den Jahreszeiten, Ihr Haus hat einen Kamin, aber keine Hezizung, obwohl es auch in Olympos ziemlich kalt werden kann. Immer wieder zeigt Eren uns schon beim Spaziergang ein Kraut oder eine Frucht und erzählt uns etwas dazu. Und als Robert davon erzählt, dass manche Kräuter in Deutschland schwer zu bekommen sind, zum Beispiel der Majoran, den seine Mutter jedes Jahr für die Weihnachtsgans benötigt, verschwinder er und kommt alsbald mit einem Bündel frisch geernteten Majorans zurück, der jetzt im Maggi trocknet.

Viel zu spät treffen wir in Olympos ein, Zara und Eren haben schon Kaffee getrunken, im ersten Stock, wo man aus dem Fenster zur Straße blicken kann und sie uns ankommen sehen können. Als wir dann endlich wirklich eintreffen sind wir über eine Stunde zu spät. Und das, wo wir zusammen brunchen wollen. Zum Glück finden die beiden das nicht so schlimm und bald sitzen wir zusammen am Tisch und verzehren Suppe, leckere frische Avocadocreme, Oliven, Tomaten und so einiges mehr.
Wir qautschen und quatschen, über die Türkei und Deutschland, übers anders leben und arbeiten, übers Reisen und HAus bauen.

Irgendwann beschliessen wir, dass es noch mehr zu erzählen gibt und dass wir auch den Abend zusammen verbringen möchten. Erst denken wir über einen Restaurantbesuch nach, aber dann überzeugen uns Zara und Eren, dass die Forellen, die sie ganz frisch eingefroren haben, doch zu einem leckeren Abendessen taugen würden. Wir freuen uns, fühlen und wohl in Gesellschaft der beiden und mögen das schöne Haus, den Ort und nicht zuletzt auch den dicken flauschigen Hund des Hauses, Dino. Nachmittags machen wir einen kleinen Ausflug nach Adrasan, Zara zeigt uns die Stelle mit dem schönsten Blick. Sie entfacht ein kleines Feuer, kocht einen türkischen Kaffee darauf und wir steuern Simit und Nutella bei, das besonders bei Eren sehr sehr gut ankommt.

Im Wohnzimmerkamin grillen wir abends die Forellen, es gibt ein wenig Wein, im Ofen gegarte Rosmarinkartoffeln und nachher Kaffee. Noch lange sitzen wir an diesem Abend zusammen und erzählen. Aber auch der schönste Abend geht einmal zuende
und wir gehen alle zufrieden und leergequatscht ins Bett.

Am nächsten Morgen brunchen wir nochmals zusammen, ein guter Freund von Zara stösst zu uns und wir erfahren, dass es in Olympos einige Familien gibt, die sich für ein Leben  im eigenen Rhythmus in und mit der Natur entschieden haben und dafür auf Luxusgüter und Geld verzichten. Er selber war Anwalt, nun aber hat er sich zurückgezogen und genießt das Leben. Er liebt Musik und lädt uns gleich ein, bei ihm auf YouTube Musik anzuhören und Tipps auszutauschen. Auch Zara und Eren laden uns ein, zu bleiben und uns im Gegenzug ein wenig nützlich zu machen, denn Haus und Garten sind noch lange nicht fertig und eigentlich arbeiten sie permanent daran. Nur gerade jetzt haben sie sich ein paar Tage Pause genehmigt. Gut für uns!

Aber letztlich, so gern wir auch da waren und so verlockend es klingt, weitere Zeit in Olympos mit so netten Menschen zu verbringen. Wir wollen Reisen und deshalb brechen wir dann auch am frühen Nachmittag auf.
Nicht ohne eine handvoll Tipps für die weitere Strecke von Zara zu bekommen und zu versprechen, dass wir uns nochmals melden, falls wir an diesem Tag noch nicht so weit fahren, so dass wir nochmals gemeinsam brunchen könnten am nächsten Morgen.

Es wird ein herzlicher und auch ein wenig trauriger Abschied. Hoffentlich sehen wir uns wieder, Zara und Eren!
Wer gerne mit einer ganz besonderen Wanderführerin in Lykien wandern gehen möchte, kann mich gerne kontaktieren, ich würde dann natürlich Zara empfehlen 😉

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