Im Dschungel

10.4. – 19.4.

Bei über 40 Grad sind wir von Bissau nach Süden aufgebrochen, um den Nationalpark Cantanhez zu besuchen. Auf halber Strecke machen wir halt, um zu übernachten und finden zufällig einen der schönsten Plätze in Guinea Bissau. Der Rio Corubal fällt hier sprudelnd in vielfältigen Terassen über vom Wasser geformte Steine. Wir baden in kleinen Wasserbecken, lassen uns von den kühlenden Wasserkaskaden den Rücken massieren und schauen den Kindern aus dem Dorf beim Herumtollen und den Frauen und ledigen jungen Männern beim Wäsche waschen zu. Nachts stehen wir mit Blick auf den Fluß direkt an der Badestelle der Dorfjugend und schließen Freundschaften, machen Fotos zusammen, zeigen uns gegenseitig Bilder von Familie und zuhause. Direkt an der Badestelle kommen die jungen Männer oft zusammen, um ein paar Cashewkerne am offenen Feuer zu rösten. Sie entfachen ein kleines Feuer, legen die Kerne in eine alte Blechschale, die sie auf die Feuerstelle stellen, warten dann bis die Hülsen der Cashews Feuer gefangen haben und löschen sie dann im Sand oder mit Wasser ab. Einige Minuten später sind die gerösteten Nüsse erkaltet und werden mit Steinnen aufgeschlagen. Die Cashewkerne schmecken so zubereitet anders, als die aus dem europäischen Supermarkt. Mehr wie Kastanien. In der angenehmen Kühle der Badestelle harren wir einige Tage aus, bevor wir uns wieder in die Hitze wagen. Wie immer werden wir auf dem Reststück von maximal 50 Kilometern noch 3 mal in sengender Mittagshitze von Polizeikontrollen gestoppt, deren Ansinnen ist, uns bei einer Verkehrswidrigkeit zu erwischen und richtig schön Geld zu kassieren. Wir sind aber mit unseren mit 2 Warndreiecken (Vorschrift), zwei Feuerlöschern (Vorschrift) und drei Verbandskästen (hier würde auch einer reichen), unserem Passavant, dem internationalen Führerschein und der gültigen westafrikanischen Versicherung mittlerweile eine schwer zu knackende Touristennuss. Was einen der Polizisten trotzdem nicht daran hindert uns trotzdem unsere Papiere nicht zurückzugeben und wortlos auf eine Geldgabe zu warten. Die er nicht bekommt. Robert kommt schwitzend und fluchend ins Auto, will aber partout kein Geld bezahlen, schließlich ist ihm nichts vorzuwerfen. Ohne die Papiere können wir aber auch nicht weiterfahren. Also warten wir. 10, 15, 20 Minuten. Nichts passiert. Am Ende fahre ich den ersten Sieg nach Punkten ein. Bei 40 Grad stelle ich mich solange dicht vor dem Polizisten auf und schaue ihm in die Augen bis seine Selbstbeherrschung nach circa 10 Minuten zusammenbricht und er in lautes Gelächter ausbricht. Sodann erhalte ich alle Papiere und wir dürfen weiterfahren. Endlich.
Wir waren gewarnt, die letzten 15 Kilometer in die Nationalparkzentrale sind ausgesprochen schlecht. Kann man zwar ohne Vierradantrieb fahren, aber Bodenfreiheit und eine gehörige Portion Wille gehören schon dazu, die von tiefen Furchen durchzogene Piste wirklich zu bewältigen. Etwa auf halber Strecke wird man dafüt auch belohnt. Plötzlich sind wir im Dschungel. Links und rechts dichtes Gebüsch, von oben Lianen und eine angenehme Kühle. Zum Glück waren unsere Freunde von insnirgendwo.de gerade erst hier und haben wichtige Virarbeit geleistet, so dass wir die eigentlich auf Jeeps ausgelegte Strecke trotz unserer 3,20m Höhe ohne größere Schwierigkeiten bewältigen können. Ich bin begeistert von der Strecke und vom Dschungel. Mitten im Park liegt ein Dorf, Jemberem, von dem aus Touren organisiert werden, um wilde Tiere zu besuchen, Hippos, Schimpansen, sogar Elefanten. Und auch den Igl können wir hier für kleines Geld stehen lassen. In den afrikanischen Dörfern kommen wir uns immer noch vor wie in einem Dokumentarfilm aus den 70ern. Mit Schilf gedeckte Rundhütten wechseln sich mit den nun schon bekannten quadratischen Betonhäusern mit Wellblechdach ab. Das Dorfzentrum wird hier oft von Guineern mit kleinen Lebensmittel und Kurzwarenlädchen belebt. Viel zu kaufen gibt es dort nicht. Brot, Sardinenbüchsen, Nescafé, Margarine, Eier, Reis und natürlich Coca Cola und Fanta bilden die Grundausstattung. Luxus wären dann Fruchtsäfte, frische Tomaten, Knoblauch und Okras. Und High End sind Auberginen, lait liquide (im Gegensatz zu Milchpulver) und Butter. High end gibt es in Jemberem nicht. Dafür einen Video Club, eine Diskothek und natürlich ohne Ende schattenspendende Mangobäume mit momentan noch unreifen, aber schon gelb leuchtenden Mangos daran.
Vom Igl Stellplatz geht ein kleiner Fußweg ab, den wir mit Thio am frühen Abend erkunden. Er führt einige hundert Meter durch den Dschungel, dann beginnen die Cashewplantagen des Dorfes. Die in Guinea Bissau allgegenwärtigen Bäume sind nun beinahe vollständig abgeerntet, nur hin und wieder findet sich noch ein reifer Cashewapfel. Die Plantagen riechen jetzt ähnlich wie die Weinberge im Rheinland im Herbst nach der Lese: vergoren. Zwischen den Bäumen verstecken sich kleine Ananassträucher, mit je einer Ananas im Zentrum. Wussten wir noch nicht, dass Ananas an Sträuchern wachsen. Abends turnt eine Gruppe Makaken über unseren Köpfen durch die Bäume. Gegen das Licht sind sie leider nur schwer zu fotografieren. Und ab 24Uhr, wenn der einzige Generator des Dorfes ausgeschaltet wird und es wahrhaft dunkel wird im Catanhez, leuchten die Sterne. Sehr schön!

Wir beschließen, erstmals Geld für einen Guide auszugeben, um Schimpansen zu sehen. Früh morgens um 5 geht es los durch die Dunkelheit des unbeleuchteten Dorfes, einen Fußweg entlang und schließlich, alle Taschenlampen aus und nicht mehr reden jetzt, einen kleinen Pfad in den Dschungel hinein. Am Rande einer kleinen Lichtung hocken wir im Dunkeln und warten auf die Dämmerung. Die Schimpansen leben in Verbünden und klettern nachts zum Schlafen auf die Palmwipfel und bauen sich dort ein Bett. Nun warten wir bis sie aufwachen und von den Palmen herunterklettern. Im Stockfinstern im Dschungel sitzen ist schon für sich genommen eine einzigartige Erfahrung. Wenn der Regenwald langsam erwacht und die Bäume zu tropfen beginnen, die Vögel zu singen, die Grillen zu zirpen und sich alles irgendwie zu räkeln und strecken scheint, während der Himmel erst lila, dann rosa, schließlich rot wird und den Morgennebel langsam vertreibt. Schön!

Und dann wachen die Schimpansen auf. Wir hören ihre Schreie ganz in der Nähe und sehen schließlich auch drei herabsteigen. Leider viel zu weit entfernt, um ein gutes Foto zu machen. Wir sind ein wenig enttäuscht. Davon hatten wir mehr erwartet. Der Guide spürt unsere Enttäuschung und versucht unsere Laune durch einen langen Spaziergang zu den letzten Urwaldriesen des Waldes wieder zu heben. Das klappt, wenn auch nur bedingt. Im Nachhinein war es aber doch sehr spannend zu hören, welche Früchte wir essen können, welche als Medizin verwendet werden und dass die Lianen so viel Wasser speichern, dass man seinen Durst an ihnen stillen kann.

4 Kommentare zu „Im Dschungel

  1. Schön, mal wieder etwas von Euch zu lesen und sehr schön, dass es Euch offensichtlich gut geht. Ich hatte schon angefangen, mir Gedanken zu machen … Uli

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  2. Hallo Ihr Beiden,
    schöööön von Euch zu hören, wir waren schon ein bißchen besorgt, daß es so lange so still war …. umso schöner zu hören, daß Ihr neben dem ganzen bürokratischen (Alp)Traum auch viele schöne Momente habt bzw. hattet. Einen leichten Eindruck von Bürokratie hatten wir in dem eigentlich touristischen Chiang Mai … da mussten wir wegen einem Diebstahl 3 x hin und glaubt nicht, daß in der Tourist Police wirklich jemand Englisch gesprochen hatte…. und die thailändische Schrift ist ja auch nicht ohne 😉 hat auch einige Stunden gedauert …..
    Und hoffentlich hält Thio durch ….
    Dann weiterhin viele schöne Momente und wo geht es als nächstes hin ?
    Hier das übliche Chaos, zum Thema Bürokratie hättet Ihr mal meine Briefwahlunterlagen sehen sollen, Europawahl, Ortsvorsteher und Gemeindevorsteher ein großer dicker DinA4 Umschlag mit weiteren Blättern und Umschlägen in rosa, hellblau, gelb , grün , braun und rot … der helle Wahnsinn !!!! 😉
    Fühlt Euch gedrückt, würde gern mal Robert in schick sehen …..
    Gaaaanz liebe Grüße Dani und auch von Felschi ….

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    1. Hallo Dani, vom Amt hab ich keins, aber ich habe in den Text ein Bild eingefügt von den Amtsklamotten. Ist aus Conakry und hat mit dem Amtsthema nichts zu tun, aber das sind die Klamotten um die es geht

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