Georgien Kloster Vardzia

Wieder einmal sind wir zu spät auf Schlafplatzsuche gegangen. Unseren Zielort für heute, Vardzia, haben wir erreicht. Allein, der Herbst ist nun doch so weit fortgeschritten, dass es zu spät ist, gegen fünf mit der Schlafplatzsuiche zu beginnen. Man kann dann nur einer Idee nachgehen und wenn die nicht funktioniert, ist es stockdunkel und damit meist zu spät, um noch einen wirklich charmanten Platz zu finden.

Wir durchfahren den Ort Vardzia und erhaschen einen ersten Blick auf die uralten in den Stein gehauenen Höhlen wegen denen wir hierhergekommen sind. Wir queren den Fluß Mtkvari, der das langgestreckte Tal durchfließt und entscheiden uns gegen den Parkplatz der Sehenswürdigkeit um nach Upper Vardzia zu fahren, wohin uns ein Schild weist. Nach einigen Serpentinen eine schlaglochgesäte Straße hinauf biegt ein kleiner asphaltierter Weg mitten durch eine Ansiedlung ab, dem wir folgen. Gerade so breit wie der MAgirus ist der Weg, so dass ich mal wieder die Luft anhalte, ob es oben angekommen tatsächlich eine Stell- oder zumindest Wendemöglichkeit gibt. Links und rechts des Weges reihen sich Berge, Felsen und Stallungen aneinander. Wir passieren ein paar junge Frauen mit schwarzen Kopftüchern, die ihre Kühe nach Hause treiben. Eben wundern wir uns noch über die Kopft+ücher, von denen wir dachten, wir hätten sie mit dem Grenzübertritt von der Türkei nach Georgien hinter uns gelassen, da stehen wir mit den Vorderrädern quasi mitten in einem überaus lebendigen Nonnenkloster, dessen Herzstück ein altes Kirchlein bildet. Gerade läuft die Abendandacht, der Singsang der Nonnen dringt durch die Tür. Nach der Andacht dürfen wir das frühchristliche Kirchlein kurz betreten und bewundern die Schlichtheit des Raumes. Wir fühlen uns willkommen und hoffen deshalb, am Fuße des Grundstücks übernachten zu dürfen. Gerade als wir das Bier ins Glas gießen wollen, klopft es und höflich aber bestimmt werden wir erstmals auf unserer Reise gebten, den Ort zu verlassen. Dem leisten wir natürlich Folge.

Wir kehren um und erinnern uns beide an einen kleinen Parkplatz über dem Fluß mit einem schönen alten Baum in der Mitte. Dorthin fahren wir und hier klappt es auch mit dem Bier. Erst morgens beim Blick aus dem Fenster realisieren wir wirklich, dass wir direkt VisaVis des alten Höhlenklosters stehen und geniessen den traumhaften Blick.
Später bei der Besichtigung der Höhlen stellen wir fest, dass ein Teil der über 500 Höhlen umfassenden Anlage wieder bewohnt wird. Fünf Mönche leben auf zweien der insgesamt dreizehn Ebenen des Klosters. In Krisenzeiten konnten hier bis zu 50.000 Menschen sicher untergebracht werden.

Wir fragen unsere Führerin, eine junge Englischlehrerin, nach frei zugänglichen heißen Quellen, die es in der Gegend geben soll. Aber sie kennt nur eine Thermalquelle in einem der eher unansehlichen Dörfchen durch die wir auf dem Weg nach Vardzia kamen. Später dann, nach einem der unzähligen kurzen Gespräche über den Magirus mit einem der auf Kundschaft wartenden Führer, stellt sich heraus, dass die nächste heiße Quelle nur etwa 300 Meter entfernt ist. Wir hatten sie auf dem Weg zum Nonnenkloster bereits gesehen, aber aufgrund der eigenartigen Kanalisierung durch ein langes Metallrohr für ein geplatztes Bewässerungsrohr oder ein kleines Erdgasförderungsprojekt gehalten.

Nun aber hält es Robert nicht mehr im Magirus. Ruckzuck ist er rückwärts die kleine Anhöhe hinunter zum Eisenrohr gefahren, aus dem mit hohem Druck das heiße WAsser sprudelt und beschließt, dass nun Duschzeit ist. Sogar mich, die ich seit TAgen mit einer Blasenentzündung kämpfe, die einfach nicht so richtig ausheilen möchte, steckt er mit seinem EWnthusiasmus an und nur wenige Minuten später stehen wir beide im Schwimmkleid unter dem Wasserstrahl und juchzen vor Vergnügen. Wie das spritzt und sprudelt und wie schön warm es den Rücken herunterläuft und das vor der beeindruckenden Bergklulisse über der bedrohlich eine schwarze Wolkenwand hängt, aus der immer wieder für kurze Zeit schwere kalte Regentropfen fallen. Robert jauchzt und springt noch als ich schon lange wieder angezogen bin und macht wilde Regentänze im warmen Wasser.

Glücklich steigen wir in den Magirus und machen uns auf in Richtung armenischer Grenze. Etwa 30 Kilometer vor der Grenze wollen wir heute übernachten.

2 Kommentare zu „Georgien Kloster Vardzia

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