Stillstand in Mauretanien – ein Zen Monat im Bab Sahara, Teil I

16.12.19 – 21.01.20 Der zweite Monat

Kurzversion und Fazit: Nach 30 Tagen halten wir ein neues Kreuzgelenk für unsere Kardanwelle in den Händen und haben so lange darum gekämpft, dass wir uns nicht mehr richtig darüber freuen können. Unser Fazit: die informellen afrikanischen Transport und Kommunikationswege funktionieren oftmals besser als die ausgeklügelte Logistik der Europäer. Wer hätte das gedacht. Wer es genau wissen will, der kann die ganze Odyssee hier nachlesen.

Tag 1: 16.12.2019
Nachdem wir am 14.12. unser Visum für Mauretanien ohne die geringsten Schwierigkeiten am Zoll verlängert haben, fahren wir ein wenig in die Wüste, der alten Piste von Atar nach Tidjikja folgend. Eine steinige, aber nicht wirklich schwierige Strecke. Immer öfter hören wir ein seltsames metallisches Klingeln aus dem Fahrwerk. Wir versuchen, die Ursache ausfindig zu machen, und sind uns einig, es muss die Kardanwelle zur Hinterachse sein.

Der Übeltäter

Wir fahren bei Cid Ahmed vorbei, dem Mechaniker vom Camping Bab Sahara, der uns einige Tage zuvor bereits sehr routiniert die Wasserpumpe ausgewechselt hat. Er wackelt kurz an der Kardanwelle und diagnostiziert ein verschlissenes Kreuzgelenk. Damit, sagt er, können wir keinesfalls weiterfahren, wenn wir größere Folgeschäden vermeiden wollen. Aber alles kein Problem sagt er, das finden wir schon. Ich suche danach und gebe heute Nachmittag Bescheid. Dann bauen wir es ein. Wir zweifeln daran, dass er das richtige Gelenk finden kann, erklären, dass es sich um einen Umbau handelt und vermutlich nicht das übliche Gelenk verbaut sei.
Nachmittags meldet er sich jedenfalls nicht wie versprochen. Hat das Gelenk wohl nicht gefunden.

Auf und neben dem Werkstatthof


In der Mercedes Teiledatenbank finden wir keine Teilenummern von Gelenkkreuzen, nur von ganzen Kardanwellen. Das nutzt uns aber nichts, da unsere Kardanwellen Spezialanfertigungen sind und außerdem nicht kaputt.


Anwesende Reisende empfehlen uns eine Werkstatt mit internationalem Versand in Deutschland, die auf Mercedesteile spezialisiert ist. Diese sowie eine auf Mercedes Gelenkwellen spezialisierte Firma schreiben wir an und fragen nach den Standardgelenkkreuzen.


Tag 2: 17.12.2019
Wir rütteln gemeinsam mit drei Schweizer Mechanikern, die mit ihren Motorrädern unterwegs sind, und auch im Bab Sahara unterkommen, an allen Gelenkwellen und kommen zu dem Ergebnis, dass zwar nur eines der Kreuze vollständig verschlissen ist, aber zwei weitere auch nicht mehr taufrisch. Sie sagen, sie selber würden so nicht weiterfahren, schon gar keine Wüstenpisten. Sie sagen, wir sollen die Gelenkwelle abschrauben und damit im Bus nach Nouakchott fahren, um Ersatz zu finden. Auch von der langen Asphaltstrecke raten sie aufgrund des Zustands des Kreuzes ab.


Der lokale Mechaniker meldet sich und sagt, er kann die richtigen Kreuze in Atar nicht finden. Er möchte in Nouakchott suchen und dazu das Teil ausbauen und per lokalem Bustransport in die Hauptstadt schicken. Da die Gelenke meist bei Demontage zerbrechen und der Igl dann nur noch über den auch schon angeschlagenen Vorderantrieb bewegt werden könnte, fragen wir ihn, ob es nicht ausreiche, die Maße des gesuchten Teils zu kennen. Er sagt, wenn Ihr wollt, schickt mir die Maße per WhatsApp. Robert und der Messschieber verschwinden unterm Igl. Wir fertigen eine Skizze an, machen Fotos, schicken alles per WhatsApp an den Mechaniker.

Robert zeichnet, Eva übersetzt

Alternativ sagt er, kann er die Gelenkwelle modifizieren und ein anderes Kreuz einbauen. Nein, das wollen wir lieber nicht. Wer weiß, was Iglhaut verbaut hat, um die Kräfte, die das Untersetzungsgetriebe auf die Gelenkwelle und die auf die Achse schickt, zu übersetzen. Außerdem trauen wir den afrikanischen Lösungen nach 15000km Westafrika nicht mehr. Wir wollen in die Wüste auf die Piste, in einsame Regionen, da hilft uns keine afrikanische Notlösung.


Wir schreiben unseren Vertrauensmann bei Iglhaut an und fragen um welche Gelenkkreuze es sich handelt. Wir erhalten ein Autoreply. Ist im Urlaub. Wir schreiben den als Urlaubsvertretung benannten Kollegen an.


Wir erhalten von Firma 1 die Nachricht, dass sie nur schätzen können, um welche Kreuze es sich handelt. Sie schätzen Maße, die nicht zu unserer Messung passen. Also nix zu holen hier.

Wir erhalten von Firma 2 die Nachricht, dass sie prüfen, ob sie die Teile besorgen können.

Wir fragen in den Allrad- und Reiseforen nach Erfahrungen. Eine Antwort von einem anderen Iglhaut Besitzer: bei mir sind Wald und Wiesenkreuze verbaut.

Wir recherchieren bei Mercedes, hanshehl, autoteile24, Amazon, eBay, in Allrad und Busforen. Wir finden die Wald und Wiesenkreuze, aber sie haben andere Maße. Am Ende des Tages vermuten wir, dass von den sechs Kreuzen vier von der G Klasse stammen und zwei vom 310er.

Wir schreiben an Mercedes Berlin und fragen, welche Kreuzgelenke normalerweise im 310er verbaut sind.
Anwesende Reisende empfehlen uns, im Straßenallrad auf der Vorderachse weiterzufahren. Auf die Frage, ob sie so in die Wüste fahren würden, verneinen sie.

Tag 3: 18.12.2019
Wir sind vom lokalen Mechaniker vertröstet worden, der bis 16 Uhr Bescheid geben wollte, ob er die richtigen Kreuze beschaffen kann.

Wir bitten die drei Schweizer Mechaniker, die nach Nouakchott aufbrechen, sich dort für uns umzuschauen. Vielleicht können sie die Kreuze finden.

Wir konferieren mit einem G Klasse Fahrer aus Deutschland, der glaubt zu wissen, welche Kreuze in seinem G sind, der dasselbe Verteilergetriebe hat wie unser 310D. Kann deshalb gut sein. Da wir von Iglhaut noch nichts gehört haben, bietet er an, am nächsten Tag mit unserer FIN ausgerüstet dort anzurufen und persönlich nachzufragen. Er kennt dort jemanden. Wir nehmen dankend an.

Denn mit der mauretanischen Telefonkarte kann man nicht ins Ausland telefonieren. Mit meiner deutschen Karte kostet das Telefonat 2,49€ / Minute. Von Iglhaut in Bayern haben wir nur eine normale Festnetznummer, WhatsApp geht also auch nicht. Skype Guthaben haben wir zwar, aber das Netz ist hier zu schlecht zum Skypen. Willkommen in der globalen Welt des 21. Jahrhunderts.

Firma 2 meldet sich und sagt, sie suchen nach dem Kreuz.
Ein Reisender schlägt vor, die ganze Gelenkwelle in Deutschland nachbauen zu lassen und per DHL runterzuschicken.

In den Facebook Foren hat sich ein anderer Iglhautfahrer, Max, gemeldet. Er ist auf dem Weg von Marokko Richtung Süden und bietet an, in Marokko nach den richtigen Teilen zu suchen. Wir nehmen dankend an!

Ich werde Mitglied in der Gruppe Overland Mule auf Facebook, wo Reisende sich verabreden, um die langen Lieferzeiten der offiziellen Paketdienste zu umschiffen und frage, ob jemand in den nächsten 14 Tagen aus Europa nach Atar/Mauretanien fährt. Ich erhalte viele Antworten, nach Atar kommt aber niemand. Die nächste Adresse lautet Agadir, das sind über 1500km Luftlinie von hier.


Jemand gibt mir den Namen des Mauretaniers, der die Rallye Dresden Banjul in Mauretanien betreut und in Nouakchott lebt. Vielleicht fällt ihm noch ein Weg ein, die Kreuze schnell zu finden und hierherzu bringen.

Anwesende Reisende empfehlen uns, auf der Vorderachse nach Nouakchott zu fahren, um das Teil zu suchen. Nun suchen aber bereits zwei Parteien in Nouakchott für uns, ein lokaler Mechaniker und die drei Schweizer Mechaniker. Macht also keinen Sinn jetzt selber loszufahren.


Tag 4: 19.12.2019
Birte und Daniel kommen mit ihrem Landrover an. Eigentlich wollten wir zusammen durch die Wüste fahren und sie haben für uns sogar noch eine Zylinderkopfdichtung mitgebracht, denn letzte Woche war ja die Wasserpumpe kaputt und wir hielten es erst fälschlicherweise für den Zylinderkopf. Da wir ohnehin in Atar verabredet waren, konnten wir das Teil bei Mercedes Bremen bestellen und die beiden haben es dann dort abgeholt und im Flieger mitgebracht. Vielen 1000 Dank nochmals Ihr Beiden! Das Kreuz meldete sich aber leider zu spät, um diesen Trick nochmal anzuwenden. Außerdem meldet sich Mercedes bisher nicht zurück. Ungewöhnlich. Normalerweise brauchen sie weniger als 24 Stunden. Nach den Erlebnissen mit Mercedes Gambia verzichten wir trotzdem darauf, mit der lokalen Mercedes Niederlassung in Nouakchott Kontakt aufzunehmen.

Firma 2 meldet sich wieder und teilt mit, sie könne die richtigen Teile nicht besorgen. Man habe aber mit Iglhaut Kontakt aufgenommen und die würden sich nun kümmern.
5 Minuten später Maileingang Werkstattleiter Inlaut. Er habe bereits mit der Gelenkwellenfirma Kontakt aufgenommen, die vor 25 Jahren unsere Wellen hergestellt hat, aber auf Basis der vorhandenen Datenlage können die beiden nicht eindeutig feststellen, welche Gelenke verbaut sind. Ob wir Fotos schicken und die Nummern von den Schweißgabeln der Wellen ablesen können? Können wir, nur dass wir bei sechs möglichen Schweißgabeln nur eine einzige Nummer dort vorfinden. Dafür aber andere Nummern auf den Wellen. Das alles zusammen schicken wir bis zum Mittag zurück nach Deutschland.
Bis Abends hören wir nichts mehr von Iglhaut.


Max mit dem Iglhaut aus Marokko hat in Guelmin gefragt und kein passendes Kreuz gefunden.

Tag 5: 20.12.2019
Iglhaut meldet, dass die Gelenkwellenfirma und sie meinen, die richtigen Kreuze gefunden zu haben. Genau weiß man das aber immer erst, wenn sie dann vor Ort sind. Man wolle schnellstmöglich verschicken. Prima, wir sind erleichtert und von der schnellen Bearbeitung beeindruckt.

Wir versuchen herauszufinden, wie man eigentlich ein Kreuzgelenk demontiert und finden dank der Facebook Foren eine Anleitung, wie man die Kreuze beim Landrover wechselt. Sieht nicht so schwer aus.

Anwesende Reisende erklären uns, dass wir doch nächstes Mal lieber mit einem Toyota fahren sollen.

Anwesende Reisende erklären uns, dass Iglhaut sowieso eine blöde Firma sei und die Wagen nichts taugen.

Anwesende Reisende erklären uns, dass sie schon mal zugesehen haben, wie ein Gelenkkreuz gewechselt wird und sich das zutrauen würden.

Anwesende Reisende geben uns den Kontakt zu einer Gelenkwellenfirma in Deutschland und empfehlen die Gelenkwelle neu herstellen zu lassen.

Birte und Daniel fahren leider ohne uns los. Sie haben nur 2 Wochen Zeit. Es hat keinen Sinn zu warten. Schade, das hätte bestimmt gut gepasst!

Die 3 Schweizer haben gesucht, konnten aber das Teil nicht finden.

Bis Montag hören wir nichts mehr von Iglhaut.


Tag 6: 21.12.2019
Wir warten weiter auf Rückmeldung vom lokalen Mechaniker, der uns von Tag zu Tag vertröstet.

Ein anderer Reisender zeigt uns in seinem Werkstatthandbuch, wie man die Gelenkkreuze am Toyota wechselt.


Was ist eigentlich mit Mercedes los? Bisher keine Antwort. Wir finden die Autoreplies, dass die Mailadresse die wir benutzt haben nicht erreicht werden kann im Spam Ordner. Wir verschicken die Email ein zweites Mal.


Tag 7: 22.12.2019
Wir bitten Edith, die in Abwesenheit des Besitzers des Camping Bab Saharas den Platz managt, den lokalen Mechaniker für uns anzurufen und zu fragen, was los ist. Er verspricht gegen 16 Uhr zu kommen.


Robert baut nun doch die Kardanwelle aus und versucht, das Kreuz herauszuschlagen. Gelingt nicht.


Abends kommt der Mechaniker und will die Kardanwelle mitnehmen, um das Kreuz am nächsten Morgen herauszuschlagen. Wir lassen ihn nicht mit der Kardanwelle vom Hof, sondern bitten darum, dass Robert dabei sein kann.
Wir schreiben an Iglhaut und bitten darum, uns zu bestätigen, ob unsere genommenen Maße mit den von ihnen ermittelten Gelenkkreuzen übereinstimmen. Damit wir vor Ort suchen können.

Nachmittags fährt ein Berliner in einer umgebauten Mercedes Pritsche auf den Hof. Moment. Den kennen wir doch. Haben wir in Mecklenburg bei den Mercedes Maniacs getroffen. Wir freuen uns. Er bietet an, für uns nach den richtigen Kreuzen zu suchen. Wir nehmen jede Hilfe gerne an, bemerken aber, dass nun schon einige Menschen für uns suchen, bisher ohne Erfolg. Egal. Er nimmt sich trotzdem die Zeit nachzufragen. Erzielt leider aber auch kein anderes Ergebnis.

Tag 8: 23.12.2019
Iglhaut schickt die Maße der Gelenkkreuze. Sie stimmen mit Roberts Messung überein. Nun wissen wir genau, nach welchen Maßen wir suchen müssen. Welcher Hersteller diese vorrätig hat, lässt uns Iglhaut aber nicht wissen. Sehr wohl aber, dass die Gelenkwellenbaufirma schnell reagiert hat und 3 passende Kreuze auf dem Schreibtisch des Werkstattleiters liegen. Man wolle diese so schnell wie möglich verschicken. Es sagt, vielleicht könne er den Frachtbrief am 27.12. erstellen, es könne aber auch sein, dass dies in diesem Jahr nicht mehr möglich sei.

What? Wir bedanken uns höflich, wünschen Frohe Weihnacht, bitten um ein Angebot und eine Idee was der Versand kosten könnte und hoffen, dass trotz dieser Ansage am 27.12. ein Versand stattfinden kann.

Robert fährt mit dem lokalen Mechaniker in dessen Werkstatt und kommt einige Stunden später desillusioniert zurück. Das Kreuz ist zwar raus und per lokalem Busunternehmen auf dem Weg nach Nouakchott, um dort nach einem passenden Stück zu suchen, aber der Flansch sieht nicht mehr so plan aus wie zuvor und zwei der Schraublöcher sind ebenfalls verbogen.

Robert sagt, naja klar, er hat mit einem riesigen Hammer drauf herumgeschlagen. Am Anfang war der Mechaniker noch seines Sieges sicher, alles ganz einfach, macht er jeden Tag 20 Mal. Mit jedem Versuch geht er brutaler ans Werk, bis sie schließlich zu zweit auf der Gabel herumdreschen und das Gelenkkreuz herausschlagen, das dann auch bei dieser Behandlung endgültig zerbricht. Er schickt den Rest des Kreuzes mit dem lokalen Busunternehmen nach Nouakchott um jetzt vielleicht doch das richtige Teil zu finden.

Eva recherchiert nebenbei mit den richtigen Daten im Internet und findet schließlich eines der Teile auf der Webseite eines Onlinehändlers für 4×4 Traktoren Ersatzteile. Sie kann nicht glauben, dass das richtig sein soll, speichert die Seite aber ab. Lieferung nur nach Europa. Und erst zum 6. Januar. Bis dahin haben wir das Problem längst gelöst, denken wir.

E7n 4×4 Traktorenkreuz aus Italien ist das richtige. Nix Wald und Wiesenkreuze….

Die richtigen Kreuze sind ja nun gefunden und liegen auf dem Schreibtisch des Werkstattleiters von Iglhaut. Sie werden es schon hinbekommen.

Mercedes meldet sich und teilt mit, dass sie keine Gelenkkreuze verkaufen, nur komplette Gelenkwellen, aber dass sie Iglhaut informiert haben.

Max meldet aus TanTan, dass er keine passenden Kreuze finden konnte.

Edith nimmt Kontakt mit Just, dem Besitzer des Bab Sahara in den Niederlanden auf und fragt, ob er jemanden in Nouakchott kennt, der unser Teil suchen kann. Er nimmt Kontakt zu seinem guten Freund und Mechaniker vor Ort auf.


Tag 9: 24.12.2019
Eva braucht einen Tag Pause und verbringt einen Tag mit den Kamelnomaden in der Wüste. Sehr toll.


Robert lernt Günter kennen, einen Frankfurter, der ein Haus in Chinguetti hat und in Deutschland auf einem Label seit 30 Jahren afrikanische Musik veröffentlicht. Nun hat er gerade ein Problem mit den Rechten an einem Musikstück. Wir vermitteln ihm einen guten Anwalt in Deutschland und versprechen, dass wir in ein paar Tagen vorbeikommen, um ihn zu besuchen.

Abends feiern wir zusammen mit Edith und Wolfgang, dem netten Toyofahrer aus Wien, der wusste, wie man die Kreuze im Toyo repariert, und einigen anderen Weihnachten. Es gibt mit CousCous gefüllte mauretanische Ziege. Yummie. Und noch dazu werden wir von Wolfgang dazu eingeladen! Er ist es auch, der uns verrät, wie man in einem Land, in dem Alkohol streng verboten ist, Fruchtsaftbowle selber herstellen kann. Doppel-Yummie.


Wir schicken Weihnachtsgrüße aus Mauretanien in die Welt und freuen uns über jeden und jede, der antwortet.

Tag 10: 25.12.2019
Der lokale Mechaniker meldet, dass es unser Teil in Nouakchott nicht gibt. Er könne etwas schweißen, dann können wir weiterfahren.

Wir wollen ja noch 6 Wochen Wüste machen und nach unseren bisherigen Erfahrungen bedeutet „was selberschweißen“ in Afrika, dass es vielleicht einige hundert Kilometer hält, vielleicht aber auch nicht. Wir bedanken uns herzlich und bitten ihn, das kaputte Kreuz und den damit zusammen versendeten Flansch wieder zurückzubringen.

Es ist jetzt sehr leer im Bab Sahara. Wir dachten, dass alle reisenden Europäer über Weihnachten hier zusammen kommen würden, aber keiner da. Wir sind mit Edith alleine. Wir fragen sie, ob sie Lust hat, mit uns zusammen Pizza zu essen. Hat sie. Sie hat Käse und wir backen Trostpizza.

Keiner da, nur wir. Die Hängematte gehört uns!

Tag 11: 26.12.2019
Edith sagt, dass Just mit seinem Mechaniker zwar gesprochen hat, ihn aber nicht gebeten hat, nach dem Teil zu suchen, weil ja Sid Ahmed bereits vor Ort sucht. Wir bitten Edith, den Mechaniker zu bitten, nun doch vor Ort zu suchen. Wir schicken unser Teil wieder nach Nouakchott.


Wir kaufen Fruchtsaft ein und brauen mit Hefe und Zucker Bowle a la Wolfgang. Für Sylvester. Werden wir ja wie es aussieht auch hier verbringen.


Tag 12: 27.12.2019
Heute hat Iglhaut gesagt können sie die Teile Versandfertig machen. Vielleicht, haben sie gesagt. Wir warten auf Nachricht. Vergeblich. Jetzt ist erstmal wieder Wochenende. Also Pause.


Tag 13: 28.12.2019
Seufz. Es ist Samstag, Wochenende. Wir warten. Waschen Wäsche. Gehen auf den Markt einkaufen. Minze, Kamelfleisch, Bissap (getrocknete Holunderblüten), Kartoffeln, Rote Beete, Karotten, Tomaten, sehr leckeres Brot, manchmal Auberginen. Das ist es in etwa was man auf dem Markt an frischen Lebensmitteln erhält. Und damit ist das Angebot in der kargen Wüstenregion deutlich vielfältiger als in Guinea zum Beispiel. Und irgendwann entdecken wir auch die leckeren Datteln. Lecker karamellig und süß. Machen süchtig und wir essen viele Kilos davon in den zermürbenden nächsten Wochen.

Um den zentralen Platz in Atar herum gibt es fast alles zu kaufen, was das Herz begehrt.

Der zweite Mechaniker meldet sich aus Nouakchott. Er kann unser Teil auch nicht finden. Er bietet an, die Gelenkwelle anzupassen und ein anderes Gelenk einzubauen. Kostenpunkt 400€ und eine 500 km Fahrt auf der Vorderachse nach Nouakchott. Das hatten wir ja schon einmal abgelehnt. Und da wir nun fast sicher sind, dass Iglhaut zwei Kreuze von einem 4×4 Traktor verbaut hat und diese bald auf den Versandweg gehen, lehnen wir wieder ab.

Was noch passierte: Wir erkunden die Umgebung des Bab Sahara. Hinter dem Viertel aus Lehmhäusern ist die örtliche Müllkippe, dazwischen führen Kameltreiber ihre Dromedare aus und Ziegenhirten ihre Ziegen. Dahinter geht die Oase, die Atar zum fruchtbaren Zentrum in dieser Region macht, weiter mit großen Palmen und sanften Sanddünen. Bei gutem Wetter sieht man die Tafelberge südlich von Atar. Langsam beginnt der Harmattan. Die klaren Tage unserer traumhaften ersten Wochen in Mauretanien werden jetzt oft von trüben sandschwangeren Tagen abgelöst. Immer wieder tauchen Reisende aus der Wüste im Bab Sahara auf, die von tagelangen schweren Sandstürmen berichten.

Das Viertel in dem wir uns befanden

Hinter der Oase beginnt eine Steinwüste, in der versteinerte Sandstrukturen liegen. Dort stoßen wir auch auf kleine wilde Grabstätten, typisch für Mauretanien auf einem leicht erhobenen Sandhügel mit schönem Blick, belegt mit flachen Steinen unterschiedlicher Größe und einem aufgestellten, meist besonders schönen aber unbehauenen Stein am Kopfende des Grabes. Manchmal befindet sich darauf auch eine arabische Inschrift.

Direkt hinter dem Viertel geht noch kurz die Oase weiter, dann beginnt die Wüste

Tag 14: 29.12.2019
Sonntag. Nüscht zu tun außer warten. Mohammed, die rechte Hand von Just, fragt jeden Tag wie es mit unserer Reparatur steht. Wir warten, sagen wir. Schon seit fast zwei Wochen und seufzen.

Mohammed sagt, Ihr Menschen mit den hellen Haaren. Ihr seid so ungeduldig. Wenn ich eine Panne in der Wüste habe, sagt er, weißt Du, was ich dann tue? Ich steige aus, stelle Musik an, entfache ein Feuer und koche einen Tee. Dann repariere ich das Auto und fahre weiter. Er zeigt auf seinen klapprigen weißen Landrover und sagt, schau, den fahre ich jetzt schon ein halbes Jahr auf der Vorderachse. Habt Vertrauen. Es wird schon alles gut werden. Inshallah.


Wir begutachten skeptisch seinen an allen Ecken und Enden provisorisch reparierten Wagen, fragen uns, was wohl der TÜV dazu sagen würde und sagen: Ja, wird es bestimmt. Aber wann?

Mohammeds Landi

Wir schreiben Iglhaut nochmals an, da wir mittlerweile von Just, dem Chef des Bab Sahara erfahren haben, dass DHL Express der schnellste Lieferant sein soll und bieten an, Vorkasse zu bezahlen und nach Nouakchott liefern zu lassen statt nach Atar. Alles in der Hoffnung, den Vorgang für Iglhaut zu erleichtern und unsere Wartezeit zu verkürzen. Heute erhalten wir keine Antwort mehr. Ist ja Sonntag. Leider.


Anwesende Reisende erklären uns, dass es doch in Nouakchott gewiss Gelenkkreuze für einen alten Mercedesbus gibt. Wir lächeln milde.

Tag 15: 30.12.2019
Um 7:32 meldet sich der Lagerverwalter von Iglhaut per Email. Er sei aus dem Urlaub zurück und übernehme unseren Fall. Er weiß nichts über Zoll und Ausweisformalitäten vor Ort. Man verschicke ausschließlich per TNT und UPS. Mist. Er avisiert aber immerhin, das Paket am Donnerstag loszuschicken. Och nö. Warum erst Donnerstag?

Wir schreiben sofort zurück. Freuen uns. Bitten nun zum dritten Mal um ein Angebot oder eine Information über die Kosten des Versands und den Versandweg. Wir schicken die Adresse vom Bab Sahara mit.

Was noch passierte: Robert kocht das erste Kamelgulasch seines Lebens und wir finden es fantastisch!

Kamelgulasch. Lecker!


Tag 16: 31.12.2019
Heute fliegen Birte und Daniel nach Hause und erweisen uns einen letzten großen Gefallen. Sie geben uns den Kontakt von Abdou in Nouakchott. Der arbeitet in einem guten Hotel dort und ist mit dem Besitzer verwandt. Wir hoffen, dass wir notfalls seine Adresse verwenden können, um unser Paket zustellen zu lassen.


Denn Atar ist 500km von Nouakchott entfernt und wir können uns einfach nicht vorstellen, dass egal welcher Dienstleister aus Europa uns zu einem sinnvollen Preis dorthin beliefern wird. Außerdem rechnen wir mit Zollgebühren, die vermutlich nur persönlich und in bar gegen Ware entrichtet werden können. Und das vmtl am Flughafen von Nouakchott. Wir melden uns bei ihm und er bietet mehrfach seine Hilfe an. Da wir momentan noch nicht wissen, ob und wann und mit welchem Dienst das Paket kommen wird, tauschen wir freundliche Worte und Fotos über WhatsApp aus, neben Telefonanrufen die beliebteste Kommunikationsform in Mauretanien, und erhalten von nun an regelmäßig Anrufe, Bilder, Fragen nach unserem Wohlergehen und Hilfsangebote. Wir antworten fleißig und gerne, können aber lange keine Neuigkeiten verkünden.

Was noch passierte: Abends essen wir mit Edith und den anderen Reisenden und schaffen es gemeinsam gerade so bis Mitternacht, um sodann mit Fruchtsaftbowle a la Wolfgang und einigen Chinakrachern, die Edith vom letzten Jahr gefunden hatte das Jahr zu begrüßen.

3 Kommentare zu „Stillstand in Mauretanien – ein Zen Monat im Bab Sahara, Teil I

  1. Hallo ihr Lieben,

    ich lese hin und wieder mit Spannung eure Reiseberichte. Hut ab 🎩 😃
    Seit kurzem bin ich ebenfalls Besitzer eines T1 Bremer Iglhaut:)
    Dienstag wird er hoffentlich zugelassen. Und ja, Afrika! Dort möchte ich auch hin:)
    Aber sagt mal, wo habt ihr jetzt eigentlich die Kreuzgelenke gefunden? Wie heißt denn die Webseite des Onlinehändlers für 4×4 Traktorenersatzteile??
    So wie ich das sehe und lese sollte ich mir da definitiv ein paar einpacken,oder? 🤪😄🤞🏼

    Liebe Grüße aus Berlin und alles erdenklich Gute wünsche ich euch.
    Lars

    Liken

    1. Lieber Lars, Iglhaut und die Gelenkwellenfirma elbe haben zusammen wohl bisschen experimentiert zu der Zeit als unser Igl vom Band lief. Es kann also gut sein dass die Traktorenkreuze nur bei uns drin sind und bei Dir schon andere. Aber Kreuzgelenke an sich gehören in unsere Grundaustattung an Ersatzteilen in jedem Fall jetzt dazu.
      Der Anbieter heißt agritech.
      Hoffentlich konntest Du Deinen T1 noch anmelden im Coronawahnsinn!!??
      Liebe Grüße Eva und Robert

      Liken

      1. Hallo ihr Lieben,

        vielen Dank für eure Antwort. Ja, ich konnte schlussendlich den T1 noch anmelden. Trotz Corona-Wahnsinn. Habe auch bereits mit dem Ausbau angefangen. Momentan bin ich auf Kurztrip auf der wunderschönen Insel Rügen. Diese Insel beeindruckt mich immer wieder. Und ich bin nun wirklich schon oft hier gewesen.
        Na dann werde ich mal sehen, ob und wie ich herausbekomme, welche Kreuzgelenke bei mir verbaut sind. Die sollen auf jeden Fall früher oder später mit in die Grundausstattung. Apropos…ihr seit ja nun eingefleischte Profis diesbezüglich…wie genau schaut denn diese Grundausstattung der Ersatzteile bei EUCH aus??!
        Habt ihr Lust diese Liste mit mir zu teilen?? 😃 Das wäre mega hilfreich für mich und würde mich sehr sehr dankbar machen:)
        Ihr seit ja nun bald wieder in Deutschland, oder??
        Ich hoffe es klappt alles und ihr kommt wohlbehalten an. Vielleicht sieht man sich mal auf einem der Festivals (irgendwann) oder auf Rügen;)
        Sagt Bescheid!

        Mit schönsten und iglhautigen Grüßen,

        Lars

        Liken

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