Regenzeit in Guinea – II

5.8. – 4.9.2019 Von Nzerekoré bis Kankan

Bis zum nächsten Morgen haben wir uns entschieden. Wir werden nicht nochmal die Westroute durch Guinea fahren. Trotz des Höhepunkts der Regenzeit werden wir von Nzerekore aus die Ostroute nach Kankan fahren, den Niger überqueren, durch Kouroussa fahren und auf dem Weg nach Mamou einen Abstecher zur alten Moschee nach Dinguiraye machen. In Nzerekore machen wir einen kurzen Boxenstopp und los geht’s. Eine goldrichtige Entscheidung. Die kommenden 10 Tage verbringen wir auf der Nationalstraße 1 in Richtung Kankan. Wir fahren mitten durch beinahe unberührte Natur, Berge hoch und wieder herunter. Wir sehen Regenbogen, wir erleben Gewitter, wir kommen in den Starkregen, wir können ab und an ein wenig Wandern. Wir lieben die Frische und das satte Grün und den Nebel, die der Regen mit sich bringt und genießen die angenehmen nächtlichen Temperaturen.


Es gibt hier wenige Menschen, die überwiegend ganz traditionell in Hüttendörfern leben. Erstmals sehen wir hier, dass ein Dorf meist nur aus einer Familie besteht. Jede Kernfamilie hat sich einen kleinen Hüttenkreis gebaut. Eine Hütte für die Küche. Eine Hütte für das Lager. Eine Hütte mit Bett für das Familienoberhaupt. Eine Hütte für jede Frau. Im nächsten Hüttenkreis das ganze nochmal für die Familie des Bruders, des Onkels, des Neffen. Da es hier so viel regnet, haben alle Hütten einen etwas höheren Einstieg, damit kein Wasser hereinläuft und ein überhängendes Dach, unter dem man Schutz suchen kann bei Regen. Überhaupt der Regen. Den Afrikanern scheint der so gar nichts auszumachen. Es kann in Strömen regnen, sie gehen unbeirrt ihres Weges. In den Städten haben wir manchmal Regencapes oder Regenschirme gesehen. Auch Männer mit rosanen Gummistiefeln und mit regenbogenfarbenen Schirmen. Auf den Dörfern tragen die Männer allenfalls Gummistiefel, wenn sie zur Feldarbeit gehen. Alle anderen werden eben nass.


Gut gelaunt kacheln wir die Asphaltstraße entlang. Die ersten 100 Kilometer vergehen wie im Flug und schon fragen wir uns, wie wir 4 Wochen in Guinea verbringen sollen. Wenn wir mit 80 Stundenkilometern die N1 hochbrettern können, reißen wir die 500km nach Kankan in zwei Tagen herunter. Aber ach, macht nichts, so herrlich sind wir lange nicht mehr gefahren. Sonne und Regen wechseln sich ab. Der Regen hinterlässt glasklare Luft und der blaue Himmel strahlt mit dem satten hellgrün der Wiesen um die Wette. Beinahe fühlt es sich an wie im Allgäu im Frühling, aber der rote Boden, die Hüttendörfer und die tropische Vegetation bestehend aus Kokos- und Bananenpalmen, Mango-, Avocado- und Cashewbäumen, Erdnuss-, Bambus- und Maniokpflanzen, den riesigen Baobab- und Moringabäumen und einem eigenartigen Kraut, das hier überall wuchert wie bei uns Brennesseln, aber seltsam würzig riecht, wie eine Mischung aus Minze und Thymian, erinnern daran, dass wir uns in den Tropen, genauer der tropischen Feuchtsavanne befinden.


Wo übernachtet man eigentlich mit einem 3,5 Tonner, wenn das ganze Land nur Moped fährt und die Nationalstraße beinahe ausschließlich von den wenigen maroden LKWs und den vielen maroden 7place Taxis befahren werden – hier einmal keine Mercedes 207D, sondern Renault Nevada, mit einfachsten Mitteln unbeladen auf fast 1 Meter hochgelegt und oft mit bis zu 10 Personen plus Gepäck und Gepäckboys beladen, die in halsbrecherischem Tempo 12 Stunden ohne Pause die Straßen entlang rasen? Wo keine privaten PKW, da auch keine Seitenstraßen für PKWs. Lediglich Fußpfade für Mopeds, Fahrradfahrer und Fußgänger. Wo keine Straße, da Busch. Und wo Busch, da kein Durchkommen. Direkt an der Nationalstraße gibt es nur die Wahl zwischen im Dorf schlafen oder direkt auf der Straße parken. Letzteres ist wahrlich keine gute Idee, wenn man schon 8 Wochen Zeit hatte, das Fahrverhalten der Guineer zu beobachten.


Schließlich kristallisieren sich drei Möglichkeiten heraus, die wir nach folgender Reihe abchecken: gibt es eine befahrbare Seitenstraße und wo führt sie hin? Wenn sie nicht in ein größeres Dorf führt, gut, dann gibt es wenig Verkehr und damit wenig nächtlichen Besuch. Gibt es an dieser Straße eine Ausbuchtung oder andere Möglichkeit, von der Straße sicher herunterzukommen ohne im Schlamm zu versinken? Falls ja, nehmen wir die. Falls nein suchen wir nach einer verlassenen Baustellenausfahrt, die es hier zahlreich gibt, weil die Chinesen den Sand für den Straßenbau meist direkt vor Ort abgebaut und ihre Maschinen über Nacht ebendort abgestellt haben. Oft sind diese Brachen trocken und eben, zwar nahe der Straße gelegen, aber meist nicht direkt von dort einzusehen und schon wieder zugegrünt und verwildert, mehr romantische Wiese als Baubrache. Geht auch das nicht, fragen wir im nächsten Dorf nach dem Chef de Village, der meist schnell geholt ist und eigentlich immer sofort ja sagt, wenn wir um eine Übernachtung im Dorf bitten. Diese Übernachtungen sind immer tolle Erlebnisse, weil wir Einblick ins Dorfleben erhalten, aber auch anstrengend, weil wir oft stundenlang von Kindern, Frauen, Männern belagert werden, die auf einen Arm breit an den Wagen herankommen und wenig mehr tun als schauen, denn sie sprechen in der Regel Mandinke oder Fula und kein Französisch. Die französische Sprache ist meist den wenigen Würdenträgern der Stadt vorbehalten. Dem Chef, dem Dorflehrer, dem Polizisten und dem Sekretär des Chefs. Einmal bitten die Frauen, unsere weiße Haut anfassen zu dürfen und so stehe ich da, lasse verwunderte Frauen über meinen Arm streichen, fahre selber auch über ihre so anders strukturierten Haare und wir alle lachen verlegen.

Auch am Tag des muslimischen Opferfestes bitten wir in einem Dorf um einen Übernachtungsplatz, haben aber mittlerweile gelernt, dass wir keine Ruhe bekommen, wenn wir uns vom Chef zwischen Moschee und Chefhaus auf dem Dorfplatz positionieren lassen. Also bitten wir darum, natürlich nur wegen des Hundes, ein wenig außerhalb auf dem Sportplatz am Schulgelände stehen zu dürfen, was uns gestattet wird. Auch hier bekommen wir Besuch, aber erst als es wieder hell wird, abends nicht mehr. Die Dorfbewohner erzählen davon, dass sie abends feiern und tanzen wollen, um das Opferfest zu begehen und dass wir herzlich eingeladen sind, daran teilzuhaben. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und nachdem wir uns eingerichtet haben, laufen wir los. Aber finden das Fest nicht. Schließlich stossen wir auf einen von den zwei Dorf- oder besser Clanchefs, der uns einlädt mit ihm vor seiner Hütte Tee zu trinken. Nehmen wir gerne an. Er erläutert, dass das Fest heute ausfallen muss, weil ein Mann im Dorf gestorben ist. Dass besonders die jungen Leute traurig darüber sind. Wir sitzen lange mit ihm zusammen und lassen uns seine Familiengeschichte erzählen. Später stößt noch ein junger Mechaniker zu uns, gerade 23 Jahre alt, der berichtet, er sei hier geboren, aber bereits mit 10 Jahren zu seinem Onkel nach Mali gegangen, um Mechaniker zu werden und würde heute als LKW Mechaniker in Kinshasa, im Kongo arbeiten. Er zeigt uns Fotos vom technikglänzenden Flughafen in Kinshasa und von der modernen LKW Werkstatt in der er arbeitet und antwortet mit leichter Melancholie in der Stimme auf meine Frage, ob er jemals zurückkehren wird nach Guinea, dass es im ganzen Land nicht eine Werkstatt gebe, die einen Experten wie ihn gebrauchen kann. Denn er ist es gewohnt, mit neuen Maschinen an modernen LKWs zu arbeiten. Beides gibt es in Guinea nicht. Und so wird er immer der Arbeit hinterherreisen, sagt er. Zum Abschied beharrt der Clanchef darauf, uns ein fantastisches 2 Kilostück des tags frisch geschlachteten Opfertieres zu schenken. In Anbetracht der bescheidenen Lebensverhältnisse des Mannes versuchen wir, uns aus der Affäre zu ziehen, aber er beharrt darauf und schließlich nehmen wir das Geschenk an und er ist zufrieden. Am nächsten Tag haben wir daraus für uns ein wunderbares Essen gezaubert und Thio hat auch etwas abbekommen.


Nach den ersten 100 Kilometern hört die gute Asphaltstraße abrupt auf, so dass wir für die nächsten 400 Kilometer bis Kankan dann insgesamt 9 Tage brauchten, inklusive weiterer kleiner Reparaturen an den Gummilagern des mittlerweile verhassten vorderen Drehstabs, oder Stabilisator, oder wie man das Mistding auch nennen möchte. Robert, der Held der Straße hat vorausschauend aus unserem schönen fetten Baumaschinen-Gummistück schon kleine Teile herausgeschnitten – mit einem Fleischmesser, dass mein alter Freund Micha vor über 20 Jahren in Rumänien auf der Straße gefunden hat. Das hat ihn zwei Stunden gekostet. Aber gut, dass er es getan hat, denn nach weiteren 100 Kilometern müssen wir wieder anhalten, blaue Plastikplane in den Matsch geworfen, Werkstatt auf, Drehstab abgeschraubt, diesmal die anderen Gummis kaputt. Ja, hört denn das niemals auf? Also Eva losgelaufen, mit dem Buschmesser wie die Afris frisches Steppengras geschnitten und in Bündeln auf die Straße geworfen. Wer bis hierher aufmerksam mitgelesen hat weiß bereits, dass in Afrika anderen Fahrern so signalisiert wird, dass es voraus eine Panne gibt. Robert die vorgefertigten Gummis raus, angepasst und dann, ja, mit was eigentlich, die Hülsen in die Gummis und die Gummis in die Aufnahmen gepresst. Nach einigem überlegen entscheidet er sich für die Vorderachs-Wagenheber-Quetschmethode. Noch nie gehört? Wir auch nicht. Klappt aber. Dann alles wieder rangeschraubt und weiter.



Ungefähr auf der Hälfte der Strecke, also mitten im Nirgendwo auf schlechtester Piste im Regen, fängt der Igl an, neue Knarzgeräusche zu machen. Mist. Es ist Opferfest, ein hoher Feiertag im Islam. Alle Familien sind zusammen gekommen. Die Männer schlachten eine Kuh. Jede Familie mindestens eine. Wir halten im nächsten Dorf an einem Hof, auf dem ein Pickup steht, der einigermaßen in Schuss ist. Ich frage, ob es im Dorf einen Mechaniker gibt. Ja, gibt es. Straße runter links. Gerade wollen wir losfahren, da kommt ein junger Mann gerannt, die Arme bis zu den Ellenbogen voller Blut. Er stellt sich als der Mechaniker vor, ist gerade beim Schlachten. Lässt aber alles stehen und liegen und fährt mit uns zu sei er Werkstatt. Es ist sein Pickup, der auf dem Hof stand und im widerwillig sich öffnenden Fonds des Wagens lagert sein ganzes Werkzeug. Denn die Werkstatt ist wie so oft nur ein kleiner Platz mit festgetretenem Lehm unter einem Mangobaum. Ohne Dach. Die folgende Reparatur in strömendem Regen hat uns 30 Euro gekostet, wir nehmen mal an, dass davon mindestens die Hälfte Feiertagszuschlag ist, sind aber sehr dankbar, dass er überhaupt mitgekommen ist. Stellt Euch das mal in Deutschland an Weihnachten vor. Niemals würde da einer mitkommen. Gemeinsam finden wir heraus, dass diesmal kein Gummi zerledert war. Dafür haben wir ein paar alte zusätzliche Gummifetzen zwischen die vorderen Blattfedern geklemmt bekommen und irgendein kleines Plastikteilchen wurde zwischen die Bremsbacken gesteckt. Das wäre es gewesen, was da so knacken würde. Jetzt sei es weg. Testfahrt gemacht. Geräusch ist weg. Hält bis Dakar. Was muss denn da nun eigentlich halten. Fragen wir. Ja, wird gehalten. Ja, aber was? Es hält. OK.

Weiter geht’s. Es dauert 5 Kilometer bis das Knacken wieder anfängt und weitere 100 Kilometer, bis wir eigenständig herausgefunden haben, dass die Briedenschrauben der Federpakete nicht gleichmäßig angezogen waren. Das geht mal wieder auf das Konto der weltbesten Werkstatt in Abidjan. Zwar waren wir uns darüber im Klaren, dass wir die Brieden würden nachziehen müssen. Und dass wir dafür eigentlich einen definierten Anziehdrehmoment brauchen. Nur dass nicht nur wir den dafür erforderlichen Drehmomentschlüssel nicht haben, auch jeder Mechaniker Guineas würde uns nur ungläubig anblicken, fragten wir danach. Aber dass ungleichmäßig festgezogene Brieden Geräusche erzeugen, die Fahrer und Beifahrer glauben machen, dass die Karosserie gleich auseinanderbricht, das haben wir nicht erwartet. So war es aber. Seit Robert sie festgezogen hat geben sie Ruhe. Dafür hats dann hinten rechts wieder angefangen zu ächzen. Wir haben das dann mal ignoriert bis Gambia.

Und dann gab es doch noch eine brenzlige Regenzeit-Situation. Wie immer haben wir davon nun genau keine Fotos, weil wir so angespannt und konzentriert waren, den Igl nicht bis unter die Windschutzscheibe zu versenken. Es regnet seit Tagen ohne Unterlass und die Nationalstraße ist nur noch ein Meer voller mit Wasser gefüllter Löcher. Blöd daran ist, dass man nie wissen kann, wie tief die Löcher wirklich sind. Und dann verfüllen die Afrikaner die Löcher unkoordiniert mit Steinbruch, darunter spitze Geröllbrocken. Man weiß also nie so ganz genau, was einen in der Pfütze erwartet. Es sind nun aber so viele davon, dass wir aufgegeben haben jedes Mal auszusteigen und mit einem Stock in der Pfütze zu stochern. Das ist bei uns bisher auch immer gut gegangen. Aber dass es bei uns gut geht bedeutet nicht, dass alle anderen auch immer so viel Glück haben. Wir kommen an eine abschüssige Stelle in einem Dorf, an deren Ende eine scharfe Linkskurve liegt, die man von oben nicht einsehen kann. Als wir auf das Dorf zukommen sehen wir schon, dass hier gar nichts mehr geht. Eine lange Reihe Lastwagen steht den Abhang herunter. Die Fahrer sind ausgestiegen, warten neben ihren Wagen, scheinbar nicht erst seit eben. Ein LKW wollte durch eine der Pfützen fahren. Die war tiefer und schlammiger als gedacht. Nun hängt er auf halbacht quer über der Straße fest und blockiert die Straße.


Links neben der Straße führt ein kurzer Schlammweg einen Erdwall hinauf auf einen Platz. Dorthin weisen uns die Dorfbewohner. Wir fahren auf den Wall auf und überschauen jetzt den großen Platz, der normalerweise wohl der Dorf- oder Marktplatz ist. Er besteht aus Schlamm, teils über einen halben Meter aufgeworfen. Kannte ich so bisher nur von Rock am Ring oder der Fusion im Dauerregen nachdem 80.000 Leute den Rasen zerstört haben. Links und rechts des Schlammfeldes suchen unter den Dächern der Hütten die jungen Männer und Kinder des Dorfes Schutz vor dem Regen und schauen sich das Spektakel an. Etwas im Hintergrund lauert der Fahrer des Dorftraktors samt Dienstgerät. Zwischen uns und dem Beginn des Schlammfeldes stehen bereits mehrere PKWs, teils geländetauglich, teils nicht. Neben den Wagen die Fahrer. Alle tun dasselbe. Sie versuchen einzuschätzen, ob sie mit ihrem PKW über das Schlammfeld kommen, oder sich festfahren und einsacken. Wenn sie über das erste Feld kommen, ob sie dann lieber der etwa 60cm tiefen LKW Schlammspur folgen sollten oder im 35 Grad Winkel halb im Schlamm halb auf befestigtem Grund weiterfahren möchten, um dann am Schluss zu entscheiden, ob sie eine 270Grad Kurve in tiefem Modder und bei ebenfalls ca. 35 Grad Seitenlage nehmen oder sich lieber die etwa 60cm hohe Straßenbegrenzung herabfallen lassen möchten. Während auch wir noch überlegen, ob wir dem Igl und uns die Fahrt zutrauen, ermutigen uns die Dorfbewohner. Der Wagen kann das auf jeden Fall. Welcher sonst? Und falls nicht, dann gebe es ja noch den Traktor, der uns herausziehen könne. Robert sagt, dann sollten wir aber vorher über den Preis verhandeln. Ich frage. Ist sowas um 15€. Ok.


Wir laufen getrennt voneinander die Strecke ab. Wir denken beide, dass der Igl das schaffen kann. Wir haben keine Lust darauf zu warten, dass der umgekippte LKW, der weiter vorne die Straße unpassierbar macht, geborgen wird. Das kann Stunden oder Tage dauern. Weiß man hier nie so genau. Wir schauen uns an, besprechen uns kurz, Robert legt Geländegang und Sperre ein und los geht’s. Eine solche Schlammfahrt fühlt sich an wie eine Mischung aus Achterbahnfahrt und der plötzlichen Begegnung mit einem Eisfeld beim Skifahren. Man muss akzeptieren kurzfristig nicht mehr die volle Kontrolle über den Wagen zu haben, aber jederzeit bereit sein, sie wieder zu übernehmen. So auch hier. Robert fährt und lenkt den Igl immer dann, wenn er lenkbar ist, souverän durch die Schlammfelder. Er hält an, wenn wir auf einigermaßen sicherem Untergrund stehen, wir besprechen welche Schwierigkeit wir auf dem nächsten Teilstück sehen. Dann fährt er wieder. Und am Ende hat alles nicht einmal 10 Minuten gedauert und der Igl ist ohne ernstzunehmende Schwierigkeit wieder auf sicherem Terrain angekommen. Wir sind beide erleichtert, den Traktor nicht in Anspruch nehmen zu müssen. Auch auf der anderen Seite stehen LKWs und PKWs Schlange und beratschlagen.


Die LKWs haben keine Chance durch unsere Umleitung zu kommen. Ihnen bleibt nur abzuwarten. Aber hier und da hat ein 7place versucht, sich über die Felder zum Marktplatz durchzuschlagen. Meist ohne Erfolg, denn die 60cm Erdkante, die Straße und Feldrand trennen ist für die schwer beladenen tief liegenden Wagen einfach zu hoch, der Boden zu vollgesogen mit Wasser. Die Reifen drehen durch und die Wagen graben sich tief in den Schlamm ein. Und so stehen auch hier bereits mehrere Wagen quer, schlammbespritzte Passagiere versuchen durch Anschieben die fehlende Kraft an den Wagen weiterzugeben, um sich freizufahren und das nächste Hindernis zu überwinden, aber vergeblich. Alle stecken im Schlamm fest. Als wir schließlich weiterfahren zählen wir rund 20 LKW und mindestens ebenso viele PKW. In den nächsten 24 Stunden überholt uns anders als sonst kein einziges Fahrzeug, weder LKW, noch PKW. Scheint, als seien wir die letzten gewesen, die an diesem Tag noch durch das Schlammfeld gekommen sind.

2 Kommentare zu „Regenzeit in Guinea – II

  1. Ui, ist aufregende. Wäre schön, ich wüsste, wo ungefähr das mit dem Überholen der LKW war. Auf der Strecke nach Kankan, ja, aber wo ungefähr?

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